Skater auf einer Treppe
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Autor

Dr. Daniel Niebauer
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt; Stabsstelle für Sozialraumentwicklung bei der Caritas München Nord.
Kontakt: dniebauer@ku.de

Inhalt

  1. 1. Ausgangssituation
  2. 2. Die Siedlung Ludwigsfeld
  3. 3. Sozialraumanalyse
    1. 3.1 Erkenntnisinteresse und Zielsetzung
    2. 3.2 Methodisches Vorgehen
      1. 3.2.1 Sozialstruktur- und Infrastrukturanalyse
      2. 3.2.2 Befragung von Schlüsselpersonen
      3. 3.2.3 Aktivierende Befragung
      4. 3.2.4 Zielgruppenspezifische Befragungen
    3. 3.3 Zentrale Ergebnisse
      1. 3.3.1 Interviews mit Schlüsselpersonen
      2. 3.3.2 Aktivierende Befragung
      3. 3.3.3 Zielgruppenspezifische Befragungen
  4. 4. Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse
  5. 5. Ausblick
  6. Literatur


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Anne Wihstutz (Hrsg.): Zwischen Sandkasten und Abschiebung. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 240 Seiten. ISBN 978-3-8474-2222-8.
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Monika Alisch (Hrsg.): Sozialraumentwicklung in der Migrations­gesellschaft. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 204 Seiten. ISBN 978-3-8474-2276-1.
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Sozialraumentwicklung gemeinsam gestalten – Erkenntnisse einer Sozialraumanalyse des Münchner Stadtviertels Ludwigsfeld

Daniel Niebauer

Stadtviertel befinden sich in dynamischen Veränderungsprozessen, sodass das Erkennen von Ressourcen und Herausforderungen in sozialen Räumen eine stetige Aufgabe für die Angebotsentwicklung und -gestaltung sozialer Einrichtungen darstellt (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 25 ff.). Aus diesem Grund führte die Caritas München im Rahmen eines kooperativen Praxisforschungsprojekts mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt [1] eine Sozialraumanalyse im Münchner Stadtviertel Ludwigsfeld durch. Der vorliegende Beitrag [2] beleuchtet sowohl das methodische Vorgehen der Sozialraumanalyse als auch die zentralen Ergebnisse. Daran anknüpfend werden Perspektiven für eine zukünftige Sozialraumentwicklung ersichtlich.

1. Ausgangssituation

Vor dem Hintergrund einer immer schneller wachsenden und sich verändernden Metropolregion München, stellt insbesondere die Sozialraumentwicklung und -orientierung eine zentrale fachliche Herausforderung für soziale Einrichtungen dar. Dabei zeigt sich, dass die Stadtviertel und Stadtbezirke Münchens bezüglich der Bedürfnisse und Bedarfe der Menschen vor Ort sehr stark divergieren. Unterschiedliche Problemstellungen ergeben sich in Abhängigkeit von der Bevölkerungsstruktur in Neubaugebieten, Bestandsvierteln und sozialen Brennpunkten. Zudem wirken sich der demografische Wandel, die Wanderungsbewegungen (Zu- und Wegzüge) und die ungleiche Ressourcenverteilung sehr unterschiedlich auf die einzelnen Stadtbezirke und Stadtviertel aus. Demnach erscheint ein möglichst kleinräumiger Blick von besonderer Bedeutung, um soziale Einrichtungen und Angebote bedarfsgerecht und am unmittelbaren Sozialraum orientiert ausrichten zu können. Um diesem Vorhaben gerecht zu werden, hat die Caritas München in ihren fünf Stadtgebieten (Nord, Ost, Süd, West, Mitte) entsprechende Stabsstellen für Sozialraumentwicklung/Sozialraumkoordination etabliert, die sich vorausschauend mit entsprechenden planerischen und strategischen Aufgabenstellungen der Sozialraumorientierung beschäftigen. Hierzu gehören u.a. auch die Analyse des Sozialraums und die daran anschließende konzeptionelle Weiterentwicklung von Angeboten und die Mitgestaltung von Quartiersentwicklungsprozessen.

Dieses Aufgabenspektrum soll im vorliegenden Artikel anhand der Sozialraumanalyse der Siedlung Ludwigsfeld, die dem Caritas Gebiet München Nord zuzuordnen ist, veranschaulicht werden.

Seit vielen Jahren ist die Caritas München Nord in der Siedlung Ludwigsfeld mit unterschiedlichen Angeboten eine wichtige Anlaufstelle in einem Stadtviertel mit besonderer geografischer Lage und geschichtlicher Vergangenheit. Zu den Angeboten der Caritas in Ludwigsfeld zählen:

  • Generationenhaus, bestehend aus:
    • Seniorenzentrum
    • Kulturtreff für Kinder und Jugendliche „Jump In“
    • Großtagespflege
    • Kinderhaus, bestehend aus:
      • Zwei Krippengruppen und drei Kindergartengruppen
      • Familienservicezentrum

Um diese Angebote – und insbesondere das Seniorenzentrum – bestmöglich an den Veränderungen, Bedürfnissen und Wünschen der Bevölkerung vor Ort ausrichten zu können, wurde im Zeitraum von März 2018 bis März 2019 in Kooperation mit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt eine Sozialraumanalyse in der Siedlung Ludwigsfeld durchgeführt, die nachfolgend näher beschrieben wird.

2. Die Siedlung Ludwigsfeld

Die Siedlung Ludwigsfeld liegt am nördlichen Stadtrand Münchens im 24. Stadtbezirk Feldmoching-Hasenbergl. Die Siedlung befindet sich an der B304 nach Dachau sowie am Autobahnkreuz München-Ludwigsfeld und ist durch umliegende Waldflächen und Felder von den Stadtteilen Feldmoching und Moosach sowie von der Gemeinde Karlsfeld abgetrennt. Zudem ist um die Wohnsiedlung das Unternehmen MAN mit diversen Flächen angesiedelt.

Für die vorliegende Sozialraumanalyse wurde eine geografische Eingrenzung der Siedlung Ludwigsfeld vorgenommen, die folgende Straßen beinhaltet: Kristallstraße – Diamantstraße – Rubinstraße – Smaragdstraße – Granatstraße – Opalstraße – Achatstraße – Onyxplatz.

In der Siedlung Ludwigsfeld leben ca. 2550 Menschen in knapp 1000 Haushalten [3]. Die Wohnsiedlung ist überwiegend durch Mehrparteienhäuser (häufig sechs Wohneinheiten pro Haus) gekennzeichnet. Zudem sind Einfamilienhäuser bzw. Doppelhaushälften anzutreffen.

Die Siedlung Ludwigsfeld ist stark von ihrer Historie geprägt. So liegt die Siedlung „auf dem Gelände eines früheren Außenlagers des Konzentrationslagers Dachau. 1953 fanden dort ehemalige Lagergefangene und Displaced Persons eine neue Heimat. Immer noch leben hier einstige Zwangsarbeiter oder deren Nachkommen. Der provisorische Charakter prägte die Wohnverhältnisse der Siedlung: Der Bund als Eigentümer änderte nie etwas an der schlechten Ausstattung der Wohngebäude hier. Die Bewohner*innen, die finanziell ohnehin schlecht dastanden, zahlten dafür wenig Miete, zum Beispiel um die 2,70 Euro pro Quadratmeter. Viele Bewohner*innen, die es sich halbwegs leisten konnten, modernisierten ihre Wohnungen selbst. Die Siedlung lebt von ihrer beständigen multikulturellen Gemeinschaft. Als der Bund die rund 680 Wohnungen im Jahr 2007 für etwa zehn Millionen Euro an die Patrizia [Immobilien AG, Anm. von D.N.] verkaufte, stellte das eine Art Wende dar. Tatsächlich begann die Patrizia mit Sanierungen, ein Wärmedämmsystem, elektrische Steigleitungen und eine Gaszentralheizung wurden installiert; dies hatte aber höhere Mieten zur Folge.“ [4] Bis heute ist die Siedlung sehr durch das nachbarschaftliche Zusammenleben von Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern und Kulturen geprägt. Dies zeigt sich auch in der Vielzahl an unterschiedlichen Religionsgemeinschaften vor Ort. [5]

In der Siedlung sind die sozialen Einrichtungen der Caritas (siehe Kapitel 1), eine allgemeinmedizinische Praxis sowie ein städtischer Kindergarten vorhanden. Eine Förderschule befindet sich in unmittelbarer Nähe zu der Siedlung, alle weiteren Schulen sind ausschließlich in den angrenzenden Stadtteilen oder in Karlsfeld vorzufinden. Der TSV Ludwigsfeld als Fußballverein ist ein wichtiger Bestandteil der Siedlung. Zudem ist vor Ort ein großes zivilgesellschaftliches Engagement für eine positive Gestaltung des gemeinsamen Zusammenlebens in der Siedlung durch die Interessensgemeinschaft Ludwigsfeld (IGLU e.V.) und die Kulturgemeinschaft Ludwigsfeld (KUGEL e.V.) zu verzeichnen.

Die Siedlung ist durch eine Buslinie, die zwischen Dachau und Am Hart bzw. Feldmoching, sowie eine Buslinie, die zwischen Dachau und Moosach, verläuft, an das öffentliche Verkehrsnetz angeschlossen. Hier werden bereits die sehr eingeschränkte Infrastruktur und Abgeschiedenheit der Siedlung deutlich. Noch stärker zeigt sich dies durch das Fehlen von Geschäften des alltäglichen Lebens. Im Zentrum der Siedlung – am Onyxplatz – sind ein paar wenige Geschäfte (ein Feinkostladen, ein Getränkemarkt und ein Kiosk) vorhanden. Für alle weiteren Einkäufe und Erledigungen müssen die weiter entfernt liegenden „benachbarten“ Stadtteile genutzt werden.

3. Sozialraumanalyse

Sozialraumanalysen zielen grundsätzlich darauf ab, die Ressourcen, Potenziale, Probleme und Herausforderungen in sozialen Räumen zu erkennen und diese für die Lösung, Minimierung und Verhinderung von sozialen Problemen nutzbar zu machen (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 26 f.) Je nach „Raumverständnis“ können zwei wesentliche Perspektiven in Sozialraumanalysen einfließen, um entsprechende Erkenntnisse zu generieren: eine sozialgeografisch-infrastrukturelle Perspektive und eine aneignungstheoretisch-subjektorientierte Perspektive (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 22 f.).

Die sozialgeografisch-infrastrukturelle Perspektive rückt bewusst die materielle Struktur von sozialen Räumen in den Mittelpunkt. Dabei soll u.a. die sozialstrukturelle und sozioökonomische Situation, die Wohnsituation und Bebauungsstruktur, die Familienstruktur, die Bildungssituation etc. in den Blick genommen werden. Diese materiell-objektiven Rahmen- und Lebensbedingungen von Räumen können eher quantitativ und administrativ abgebildet werden, wie z.B. anhand der Daten des Sozialmonitorings der Stadt München [6]. Diese Perspektive kann auch als top-down-Perspektive verstanden werden, da ein möglichst objektiver Blick von „oben“ auf einen sozialen Raum – z.B. auf ein Stadtviertel, eine Straße, eine Wohnsiedlung – geworfen wird (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 23).

Die aneignungstheoretisch-subjektorientierte Perspektive konzentriert sich auf das subjektive Erleben der Bewohner*innen und Akteur*innen eines Sozialraums, die diesen als individuellen Aneignungsraum verstehen. Hier versehen die einzelnen Menschen vor Ort den Sozialraum mit ihren jeweils individuellen Bedeutungs- und Handlungszusammenhängen. So wird beispielsweise ein Bushaltestellenhäuschen für eine Person als Ort des Wartens auf das öffentliche Verkehrsmittel betrachtet, während eine andere Person hierbei einen zentralen Ort des Treffens mit Freund*innen im öffentlichen Raum verbindet. Diese Perspektive stellt also die handelnden Subjekte in den Vordergrund, durch die soziale Räume aus einer bottom-up-Perspektive betrachtet werden können (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 23).

Da Sozialräume stets diese Doppelstruktur – also eine sozialgeografisch-infrastrukturelle Ebene und eine aneignungstheoretisch-subjektorientierte Ebene – aufweisen, wurden bei der vorliegenden Sozialraumanalyse in Ludwigsfeld beide Perspektiven entsprechend berücksichtigt. In den folgenden Kapiteln wird die Sozialraumanalyse in Ludwigsfeld anhand des Erkenntnisinteresses und der Zielsetzung (Kapitel 3.1), dem methodischen Vorgehen (Kapitel 3.2) und den zentralen Ergebnissen (Kapitel 3.3) ausführlich dargestellt. Eine Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse erfolgt in Kapitel 4.

3.1 Erkenntnisinteresse und Zielsetzung

In der Siedlung Ludwigsfeld sind seit geraumer Zeit Veränderungen zu erkennen – z.B. durch Bevölkerungswanderungen (Zu- und Wegzüge), den demografischen Wandel und bauliche Maßnahmen (u.a. Ausverkauf der Siedlung an privaten Investor, Nachverdichtung) – , die einen unmittelbaren Einfluss auf das Zusammenleben in der Siedlung haben. [7] Diese Auswirkungen auf das soziale Miteinander sind in den Caritas Einrichtungen vor Ort immer wieder spürbar, und werden dort von Bewohner*innen der Siedlung auch entsprechend thematisiert.

Für die Caritas als soziale Trägerin, die ihre Einrichtungen sozialraumorientiert ausrichten möchte, besteht daher ein großes Interesse, Veränderungen des Sozialraums sichtbar zu machen und diese entsprechend bei der Konzeption und Gestaltung ihrer Angebote zu berücksichtigen.

Aus diesem Grund stand zunächst folgendes Erkenntnisinteresse im Mittelpunkt der Sozialraumanalyse:

(1) Ermittlung von Ressourcen und Bedürfnissen/Bedarfen der Bevölkerung in Ludwigsfeld

(2) Ermittlung von Ressourcen und Potenzialen des Sozialraums

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen verfolgt die Sozialraumanalyse letztlich die Zielsetzung, Potenziale und Herausforderungen im Sozialraum „Siedlung Ludwigsfeld“ offenzulegen und daran anknüpfend als Caritas München Nord gemeinsam mit den Menschen vor Ort Zukunftsperspektiven für entsprechende Angebote/Aktionen etc. zu entwickeln.

3.2 Methodisches Vorgehen

Die gesamte Projektphase der Sozialraumanalyse erstreckte sich über einen Zeitraum von ca. einem Jahr von März 2018 – März 2019. Die nachfolgende Tabelle verdeutlicht zunächst die zentralen Projektphasen der Sozialraumanalyse, die sich in Vorbereitungs- und Planungsphase, Erhebungsphase, Auswertungsphase und Präsentation der Ergebnisse unterteilen lassen (vgl. Tabelle 1). In jeder Projektphase gab es zentrale Aufgabenstellungen, an deren Umsetzung folgende Akteur*innen [8] maßgeblich beteiligt waren:

  • Projektleitung: Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Soziale Arbeit der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt/Stabsstelle für Sozialraumentwicklung der Caritas München Nord (Autor des Artikels)
  • Projektgruppe Ludwigsfeld: bestehend aus der Projektleitung und insgesamt vier Mitarbeiterinnen aus den Caritas Einrichtungen in Ludwigsfeld (zwei Mitarbeiterinnen des Seniorenzentrums, eine Mitarbeiterin des Kulturtreffs für Kinder und Jugendliche Jump In, eine Mitarbeiterin des Familienservicezentrums)
  • Katholische Universität Eichstätt Ingolstadt: 12 Studierende einer Seminargruppe (5. Semester, Bachelor Soziale Arbeit)
Tabelle 1: Projektphasen Sozialraumanalyse Ludwigsfeld
ProjektphaseAufgabenstellungenBeteiligteZeitraum
Vorbereitungs- und Planungsphase
  • Entwicklung Forschungsdesign
  • Akquise von Interview-partner*innen
  • Kommunikation mit Schlüsselpersonen und -gremien, Kommunalpolitik
  • Anfrage für Zugang zu diversen Quellen (Daten, Karten etc.)
  • Projektleitung
  • Projektgruppe Ludwigsfeld
  März-August 2018
Erhebungsphase
  • Datenerhebung
  • Projektleitung
  • Studierende der Kath. Uni. Eichstätt-Ingolstadt
  Juni-November 2018
Auswertungsphase
  • Datenaufbereitung und Datenauswertung
  • Projektleitung
  • Studierende der Kath. Uni. Eichstätt-Ingolstadt
  Dezember 2018-Februar 2019
Präsentation der Ergebnisse
  • Abschlussbericht, Ergebnisdialog
  • Projektleitung
  • Projektgruppe Ludwigsfeld
März 2019

Nach der Vorbereitungs- und Planungsphase, in der ein Überblick über die Ausgangssituation erarbeitet und die wesentlichen Zugänge für die Datenerhebung geschaffen wurden, folgte die Erhebungsphase, die sich in folgende vier Schritte gliederte (vgl. Tabelle 2):

Tabelle 2: Ablauf der Erhebungsphase Sozialraumanalyse Ludwigsfeld
ErhebungsschrittAufgaben- und FragestellungenMethodisches VorgehenVerantwortlich für DurchführungZeitraum
1. Schritt: Sozialstruktur- und Infrastruktur-analyse
  • Entstehungs-geschichte
  • Räumlich-bauliche, geografische Situation
  • Sozialstruktur
  • Infrastruktur
  • Stadtteil-begehung
  • Analyse von Texten, Jahresberichten, Materialien, Berichten, Statistiken, Karten etc.
  • Projekt-leitung
  • Projekt-gruppe Ludwigsfeld
  Juni – September 2018
2. Schritt: Befragung von Schlüsselpersonen
  • Überblick zentraler Themen aus unterschiedlichen Perspektiven
  • Interviews mit Schlüsselpersonen
  • Projekt-leitung
    September – Oktober 2018
3. Schritt: Aktivierende Befragung (aller Bewohner*innen)
  • Sehr offene und allgemeine Fragestellungen (entsprechend Leitfaden/Protokollbogen)
  • Aktivierende Befragung (aller Bewohner*innen) + Teilnehmende Beobachtungen
  • Projektleitung
  • Studierende Kath. Uni. Eichstätt-Ingolstadt
    Anfang November 2018
4. Schritt: Zielgruppen-spezifische Befragung
  • Zielgruppen-spezifische Fragestellungen (auch mit Blick auf zukünftige konzeptionelle Ausrichtung der Caritas Angebote)
  • Interviews und Gruppen-diskussionen mit ausgewählten Zielgruppen
 
  • Projektleitung
  • Studierende Kath. Uni. Eichstätt-Ingolstadt
  • Projektgruppe Ludwigsfeld
Mitte November 2018

 

Das konkrete Vorgehen im Rahmen dieser vier Erhebungsschritte sowie die jeweiligen Stichproben werden nachfolgend näher beleuchtet.

3.2.1 Sozialstruktur- und Infrastrukturanalyse

Im Rahmen der Sozialstruktur- und Infrastrukturanalyse sollen die für die Fragestellung wesentlichen verfügbaren Informationen des Sozialraums zusammengetragen werden und somit eine erste Orientierung vor Ort ermöglichen. Für das konkrete Vorgehen in der Siedlung Ludwigsfeld wurden folgende Feldzugänge und Informationsquellen genutzt:

  • Statistiken (insbesondere Monitoring für das Sozialreferat der Landeshauptstadt München)
  • Karten (zur geografischen Orientierung)
  • Eigene Stadtteilbegehungen, sowie eine organisierte Stadtteilführung
  • Teilnahme an öffentlichen (wissenschaftlichen und sozialpolitischen) Veranstaltungen zu relevanten Themen der Siedlung
  • Sichtung bereits vorhandener wissenschaftlicher Studien zur Siedlung
  • Sichtung diverser Texte, Berichte und Materialien zur Siedlung

Auf eine detaillierte Darstellung der Auswertung dieser Bezugsquellen soll im vorliegenden Bericht verzichtet werden, da es vielmehr um einen ersten Feldzugang als um die reine Reproduktion von entsprechenden Wissensbeständen ging. Im Mittelpunkt dieses ersten Erhebungsschrittes stand demnach, eine „Sensibilität“ für den Sozialraum zu entwickeln, aus der sich eine für alle weiteren Erhebungsschritte notwendige Grundhaltung formte. In sehr verkürzter Weise zeigten sich in diesem Untersuchungsschritt folgende Aspekte von besonderer Bedeutung: (1) die besondere Historie der Siedlung, (2) die geografisch und infrastrukturelle „Insellage“ der Siedlung, (3) das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunftsländern und Kulturen über mehrere Generationen und (4) der starke nachbarschaftliche Zusammenhalt und die Verbundenheit der Bewohner*innen mit der Siedlung.

3.2.2 Befragung von Schlüsselpersonen

Um einen ersten Überblick zentraler und bedeutender Themen in der Siedlung Ludwigsfeld zu erhalten, wurden im Rahmen von leitfadengestützten Interviews 13 Schlüsselpersonen befragt. Alle Schlüsselpersonen zeichneten sich durch eine spezielle „Expertise“ bzw. ein spezielles „Wissen“ bezüglich der Siedlung Ludwigsfeld aus, da sie unterschiedliche Funktionen, Ämter, Berufe innehatten oder seit besonders langer Zeit in einer engen Beziehung zu der Siedlung stehen und sich somit in besonderer Weise vor Ort auskennen (vgl. Spatscheck/Wolf-Ostermann 2016, 55 ff.). Durch die Schlüsselpersonen konnten letztlich aus unterschiedlichen Perspektiven erste Potenziale und Herausforderungen in Ludwigsfeld benannt werden. Zudem konnten die Aussagen der Schlüsselpersonen zur Erhellung und Ergänzung der im ersten Erhebungsschritt gewonnenen Erkenntnisse beitragen. Die befragten Schlüsselpersonen lassen sich folgenden Kontexten zuordnen:

  • Personen aus dem örtlichen Bildungssektor
  • Personen aus örtlichen medizinischen/psychosozialen Versorgungseinrichtungen
  • Personen aus örtlichen Vereinen und zivilgesellschaftlichen Interessensgemeinschaften
  • Personen aus der Kommunalpolitik
  • Personen, die sich seit langer Zeit ehrenamtlich in Ludwigsfeld engagieren
  • Personen, die seit vielen Jahrzehnten in Ludwigsfeld leben

Die Interviews mit den 13 Schlüsselpersonen (elf Einzelinterviews und ein Interview mit zwei Befragten) wurden im September und Oktober 2018 durch die Projektleitung geführt. Die Gespräche fanden alle in Ludwigsfeld vor Ort an öffentlichen Plätzen, in Wohnungen oder in Räumlichkeiten der Caritas statt, dauerten zwischen 20 und 75 Minuten und wurden anhand eines Aufnahmegeräts aufgezeichnet. Die Auswertung der Tonaufnahmen erfolgte vollkommen anonymisiert. Auf eine Volltranskription der Aufnahmen wurde verzichtet. Es wurden verdichtete Protokolle der Tonaufnahmen für die Auswertung und Ergebnissicherung erstellt, sodass in Anlehnung an die qualitative Inhaltanalyse nach Mayring (2015) übergreifend zentrale Ergebnisse herausgearbeitet werden konnten (siehe 3.3.1).

3.2.3 Aktivierende Befragung

Das Kernstück der vorliegenden Sozialraumanalyse stellt die Aktivierende Befragung dar. Eine Aktivierende Befragung zielt nicht nur darauf ab, die Meinungen und Einstellungen von Bewohner*innen eines Stadtteils oder Wohngebiets zu erfassen, sondern Bewohner*innen vor Ort zu ermutigen und zu unterstützen, aktiv für die eigenen Interessen einzutreten und bei der Lösung von Problemen im Sozialraum aktiv mitzuwirken. Demnach geht die Aktivierende Befragung über einen reinen Erkenntnisgewinn deutlich hinaus, und kann im Wesentlichen als Beitrag zur Demokratiebildung und Erhöhung von Partizipationsmöglichkeiten und Beteiligungsprozessen verstanden werden (vgl. Lüttringhaus/Richers 2012; Stoik 2009). Eine Aktivierende Befragung findet typischerweise an den Haustüren oder in den Wohnungen statt. Dabei wird versucht, anhand von sehr offenen und allgemeinen Fragen mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Idealerweise kristallisieren sich im Laufe der Gespräche immer deutlicher sozialraumbezogene Themen heraus, die den Menschen vor Ort wichtig sind (vgl. Stoik 2009).

Im Vorfeld wurde die Aktivierende Befragung durch entsprechende Flyer (in jeden einzelnen Briefkasten der Siedlung) und Aushänge (in jeden Hausgang der Siedlung) offiziell in der Siedlung angekündigt. Die Aktivierende Befragung wurde von der Projektleitung mit Unterstützung einer Studierendengruppe von zwölf Personen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt durchgeführt. Dabei wurden die Studierenden in Befragungsteams, die aus jeweils zwei Personen bestanden, eingeteilt. Die einzelnen Befragungsteams waren für vorab festgelegte Straßen der Siedlung zuständig, in denen sie von Haustür zu Haustür befragten. Die Projektleitung führte zudem Befragungen an öffentlichen Plätzen durch. Den Befragungen lag ein Gesprächsleitfaden mit folgenden Fragestellungen zugrunde:

  • Wie lange leben Sie schon in Ludwigsfeld? (Einstiegsfrage)
  • Was gefällt Ihnen (besonders gut) an der Siedlung Ludwigsfeld?
  • Was gefällt Ihnen nicht an der Siedlung Ludwigsfeld?
  • Welche Veränderungen würden Sie sich für die Siedlung Ludwigsfeld wünschen?
  • Was würden Sie sich von der Caritas in Ludwigsfeld wünschen? Welche neuen Angebote würden Sie sich wünschen?

In der Regel war eine Person der Befragungsteams für die Gesprächsführung zuständig, während die andere Person die Protokollierung übernahm.

Im Rahmen der Aktivierenden Befragung, die am 07.11.2018 und 09.11.2018 stattfand, konnten insgesamt 104 Gespräche geführt werden. Die Gespräche fanden an den Haustüren, in Hausgängen, in den Wohnungen oder im öffentlichen Raum (z.B. auf Parkbänken, an Spielplätzen, an den Bushaltestellen oder am Onyxplatz) statt, und wurden jeweils mit einer Person oder mehreren Personen durchgeführt, wobei keine Person mehrmals (z.B. im öffentlichen Raum und an der Haustür) befragt wurde. Somit kann davon ausgegangen werden, dass letztlich 104 Haushalte der Siedlung Ludwigsfeld befragt wurden. Dies entspricht etwa 10 % der gesamten Bewohner*innen der Siedlung. Obwohl dies einer sehr hohen Befragungsquote entspricht, und die Befragten ein gutes Abbild der Diversität der Menschen vor Ort wiedergeben (in Bezug auf Alter, Geschlecht, Wohndauer, Herkunftsland etc.), haben die Ergebnisse keinen Anspruch auf Repräsentativität. Die Gespräche dauerten zwischen zwei und 40 Minuten. Die Auswertung der Protokolle erfolgte vollkommen anonymisiert, sodass keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen gezogen werden können. In Anlehnung an die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring (2015) wurden die Protokolle verdichtet und zentrale Aussagen in Kategorien zusammengefasst, sodass übergreifende Ergebnisse herausgearbeitet werden konnten (siehe 3.3.2).

3.2.4 Zielgruppenspezifische Befragungen

Aufbauend auf dem eher allgemeinen Stimmungsbild aus der Aktivierenden Befragung wurden ausgewählte „Zielgruppen“ bzw. Bevölkerungsgruppen zu einzelnen Themengebieten, ihren spezifischen Einstellungen und Bedürfnissen sowie Anknüpfungspunkten für potenzielle Angebote der Caritas noch ausführlicher befragt. Auch in diese Befragungen waren die Studierenden der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt unter Anleitung der Projektleitung maßgeblich involviert. Folgende Zielgruppen wurden wie folgt befragt:

  • Kinder

Die zielgruppenspezifische Befragung der Kinder fand am 21.11.2018 in den Räumen des Generationenhauses statt und wurde von drei Studierenden mit Unterstützung des Fachpersonals des Jump In durchgeführt. Dabei wurde versucht eine möglichst abwechslungsreiche und kindgerechte Befragung für die Kinder zu konzipieren. An der Befragung nahmen zwölf Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren teil. Die Kinder sollten zunächst ein Bild von einem Ort in Ludwigsfeld oder einer Freizeitaktivität malen, welche ihnen besonders gut gefällt. Selbiges Bild wurde dann mit dem Kind zusammen näher besprochen und das Gesagte protokolliert. Im Anschluss sollten zwei Spiele zum weiteren Erkunden bestimmter Sachverhalte folgen, die jedoch nicht durchzuführen waren, da fast nie alle Kinder gleichzeitig im selben Raum anwesend waren und es zudem den jüngeren Kindern schwer fiel, über längerer Zeit ihren Fokus auf ein Befragungsspiel zu richten. Aus diesem Grund wurden die Kinder in „Tür- und Angelgesprächen“ und mit kurzem gemeinsamen Spielen meist einzeln befragt und die entsprechenden Antworten protokolliert. Der Schwerpunkt der Ergebnisauswertung lag dabei insbesondere auf den beiden Themenkomplexen „Leben in Ludwigsfeld“ und „Angebote des Jump In“.

  • Jugendliche

Die zielgruppenspezifische Befragung der Jugendlichen wurde am 21.11.2018 im Kulturtreff für Kinder und Jugendliche Jump In in Ludwigsfeld von drei Studierenden durchgeführt. Durch die Betreuer*innen des Jump In wurden die Jugendlichen des Freizeitreffs im Vorfeld eingeladen und über die Befragung informiert. Es wurde vor Ort ein Raum zur Verfügung gestellt, in dem ungestört die Befragungen mit den Jugendlichen stattfinden konnten, die sich hierfür freiwillig meldeten. Letztlich wurden in insgesamt zwei Stunden in einem Gespräch zwei weibliche Jugendliche (16 und 17 Jahre) sowie in einer Gruppendiskussion sieben männliche Jugendliche (ca. 13-17 Jahre) befragt. Die Gespräche orientierten sich an einem Leitfaden, wurden währenddessen protokolliert und anschließend in Anlehnung an die qualitative Inhaltanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. Der Schwerpunkt der Ergebnisauswertung lag dabei insbesondere auf den beiden Themenkomplexen „Leben in Ludwigsfeld“ und „Angebote des Jump In“. Die Gruppendynamik und der Gesprächsverlauf wurden hingegen nicht in den Mittelpunkt der Auswertung gerückt.

  • Eltern

Die Befragung der Eltern wurde am 21.11.2018 im Kinderhaus durchgeführt, im Zeitraum von ca. 14.30 Uhr bis 17.00 Uhr, in dem viele Eltern ihre Kinder aus dem Kinderhaus abholen. Als Räumlichkeit wurde die Turnhalle im Eingangsbereich des Kinderhauses für die Befragung zur Verfügung gestellt. Die Befragung wurde interaktiv angelegt, indem die Eltern fünf Plakate mit unterschiedlichen Fragestellungen „ablaufen“ und auf diesen unmittelbar ihre Antworten notieren konnten. Drei Studierende übernahmen die Durchführung der Befragung, d.h. sie versuchten Eltern spontan für die Befragung zu gewinnen, die Eltern bei der Beantwortung der Fragen an den jeweiligen Plakaten zu unterstützen und für die spätere Auswertung zudem eigene stichpunktartige Protokolle anzufertigen. Insgesamt konnten auf diese Weise acht Eltern befragt werden. Der Schwerpunkt der Ergebnisauswertung lag dabei insbesondere auf den Themenkomplexen „Leben in Ludwigsfeld“, „Was brauchen Familien in Ludwigsfeld“ und „Angebote des Kinderhauses “.

  • Senior*innen

Eine Gruppe von zehn Senior*innen (zwei Männer, acht Frauen) in der Alterspanne von ca. 64 bis 85 Jahren wurde im Rahmen eines Gruppeninterviews am 21.11.2018 bei Kaffee und Kuchen ca. 2,5 Stunden in den Räumlichkeiten des Seniorenzentrums befragt. Das Gruppeninterview wurde anhand eines Leitfadens durchgeführt. Die Moderation/Befragung wurde von zwei Studierenden übernommen. Die Antworten der Teilnehmer*innen wurden mit Hilfe einer Ortskarte sowie bunten Karten auf zwei Flipcharts festgehalten. Zudem dokumentierte eine Studierende das Gruppeninterview währenddessen stichpunktartig. Die Ergebnisse wurden in Anlehnung an die qualitative Inhaltanalyse nach Mayring (2015) ausgewertet. Der Schwerpunkt der Ergebnisauswertung lag dabei insbesondere auf den beiden Themenkomplexen „Leben in Ludwigsfeld“ und „Angebote der Caritas“. Die Gruppendynamik und der Gesprächsverlauf wurden hingegen nicht in den Mittelpunkt der Auswertung gerückt.

3.3 Zentrale Ergebnisse

Zunächst ist hervorzuheben, dass alle beschriebenen Befragungen im Rahmen der Sozialraumanalyse insgesamt sehr positiv verlaufen sind, was insbesondere auf die große Teilnahmebereitschaft an den Befragungen durch die Menschen vor Ort [9] zurückzuführen ist.

3.3.1 Interviews mit Schlüsselpersonen

Anhand der Interviews mit den Schlüsselpersonen sollte ein erster Überblick zentraler und bedeutender Themen in der Siedlung Ludwigsfeld gewonnen werden, indem Personen mit einer speziellen „Expertise“ bzw. einem speziellen „Wissen“ bezüglich der Siedlung befragt wurden. An dieser Stelle sollen jedoch weniger die Meinungen und Aussagen einzelner Personen hervorgehoben, sondern vielmehr überindividuelle Zusammenhänge herausgestellt werden. Demnach zeigten sich die nachfolgenden Themenkomplexe interviewübergreifend als bedeutsam:

  • Historische Entwicklung der Siedlung: Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen leben seit Jahrzehnten gemeinsam in der Siedlung
  • Ausverkauf der Siedlung im Jahr 2007 als zentrales und nachhaltiges Ereignis für die Bewohner*innen
  • Stadtteil von Politik häufig „vergessen“, „vernachlässigt“
  • Sozialer Zusammenhalt/Soziales Miteinander hat große Bedeutung
  • Großes zivilbürgerschaftliches Engagement vor Ort
  • Bedarf eines generationenübergreifenden Sozialen Treffpunkts
  • Fehlende Räumlichkeiten für Feste, Vereinssitzungen, Kunst- und Musikprojekte
  • Psychosoziale Versorgung: fehlende Fachärzt*innen, fehlende Apotheke, mehr aufsuchende und niedrigschwellige Angebote notwendig
  • Es fehlen (soziale) Angebote für Bewohner*innen zwischen ca. 20 und 60 Jahren, denn für die Jüngeren sei die Kinderbetreuung und das Jump In sehr positiv, für die Älteren die Angebote des Seniorenzentrums
  • Caritas sollte ihre Angebote verstärkt generationenübergreifend ausrichten und stärker für alle Bewohner*innen Ludwigsfelds öffnen
  • Problematische Verkehrs- und Parkplatzsituation

3.3.2 Aktivierende Befragung

Im Rahmen der Aktivierenden Befragung konnten zu folgenden Themenkomplexen Erkenntnisse gewonnen werden:

  1. Ressourcen und Potenziale der Siedlung Ludwigsfeld
  2. Herausforderung und Probleme der Siedlung Ludwigsfeld
  3. Veränderungswünsche für die Siedlung Ludwigsfeld
  4. Wünsche an die Caritas vor Ort

Die nachfolgenden Ergebnisse der einzelnen Themenkomplexe wurden nicht anhand einer reinen quantitativen Auswertung gewonnen, d.h. es wurde nicht ausschließlich nach der Häufigkeit von Antworten gesucht, sondern vielmehr jene Themen herausgestellt, die sich in den Befragungen für die Bewohner*innen als sehr bedeutsam und emotional wichtig gezeigt haben. Gleichwohl wurden aber nur Themen aufgegriffen, die von mehreren Personen in ähnlicher Weise wiedergegeben wurden, sodass die folgenden Ergebnisse keinesfalls Einzelmeinungen darstellen.

(1) Ressourcen und Potenziale der Siedlung Ludwigsfeld

Die Ressourcen und Potenziale der Siedlung Ludwigsfeld lassen sich in folgende vier Kategorien unterteilen: Wohnsituation, Infrastruktur, soziales Miteinander und Freizeitmöglichkeiten.

Die Wohnsituation wird von vielen Bewohner*innen der Siedlung Ludwigsfeld als sehr positiv beschrieben. Hierbei werden insbesondere das grüne Umfeld und die umliegende Natur der Siedlung (Seen, Felder und Wiesen) als sehr lebenswert empfunden. Auch die ruhige Lage der Siedlung wird als sehr positiv hervorgehoben. Zudem zeichne sich das Wohnen in der Siedlung durch „kurze Wege“ vor Ort aus. Die vergleichsweise bezahlbaren Mieten der Wohnungen stellen einen weiteren Vorteil der Wohnsituation dar, obwohl dieser positive Aspekt, insbesondere nach dem Ausverkauf der Siedlung an die Patrizia im Jahr 2007, immer weiter abnehme.

Als positiver Aspekt der Infrastruktur wird zunächst die besondere Lage (Dorfcharakter und Großstadtnähe) der Siedlung angeführt, wie beispielsweise folgende Zitate verdeutlichen: „Ludwigsfeld hat einen Dorfcharakter und ist trotzdem nahe an der Stadt gelegen“ oder „Ludwigsfeld liegt zwar außerhalb, aber irgendwie trotzdem mitten in München“. Für die positiv empfundene Stadtnähe sei auch die – im Vergleich zu früher – verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr verantwortlich. Schließlich wird auch das Vorhandensein der verschiedenen Einrichtungen und Angebote der Caritas vor Ort als soziale Infrastruktur gesehen, die den Menschen in verlässlicher Weise zur Verfügung stehe.

Einen besonderen Stellenwert nimmt das soziale Miteinander in der Siedlung ein. Das Zusammenleben sei nach Aussagen der Bewohner*innen insgesamt von einem großen Zusammenhalt und einer großen Hilfsbereitschaft der Menschen untereinander geprägt. „Jeder kennt jeden“ war als häufige Aussage in den Befragungen zu hören, in jedem Fall leben viele Bewohner*innen schon seit Generationen in der Siedlung zusammen. Aufgrund der oben bereits beschriebenen besonderen Historie der Siedlung, wurde in den Befragungen das sehr gute Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen betont. Ein Befragter bringt dies wie folgt auf den Punkt: „Überall wird von Integration gesprochen, hier wird es seit Jahrzehnten praktisch gelebt“. Letztlich wird das soziale Miteinander auch als sehr kinder- und familienfreundlich benannt, wofür auch die positiven Merkmale der Wohnsituation (siehe oben) verantwortlich seien.

Als letzter Themenkomplex wurden von den Befragten positive Freizeitmöglichkeiten in Ludwigsfeld angeführt. Dabei nimmt der TSV Ludwigsfeld als einziger Sport- bzw. Fußballverein vor Ort eine sehr wichtige Stellung ein. Die regelmäßig stattfindenden Events und Feste in der Siedlung (z.B. Siedlungsfest, Musik-Open-Air) werden sehr positiv wahrgenommen, und seien auch für das soziale Miteinander von Bedeutung. Die in der Siedlung vorhandenen Spielplätze und Bolzplätze stellen laut Aussagen der Befragten sehr wichtige Freizeitmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Familien dar.

Tabelle 3: Aktivierende Befragung: Ressourcen und Potenziale der Siedlung Ludwigsfeld
WohnsituationInfrastrukturSoziales MiteinanderFreizeit-möglichkeiten
  • Grünes Umfeld/Natur
  • Ruhige Lage
  • „Kurze Wege“ in der Siedlung
  • (Vergleichsweise) bezahlbare Mieten
  • Dorfcharakter und Stadtnähe
  • Verbesserte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr (im Vergleich zu früher)
  • Soziale Einrichtungen der Caritas
  • Großer Zusammenhalt und große Hilfsbereitschaft untereinander
  • Sehr gutes Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen
  • Kinder- und familienfreund-liches Umfeld
  • Freizeitmöglichkeiten: TSV Ludwigsfeld, regelmäßige Events und Feste
  • Spielplätze und Bolzplätze
   

(2) Herausforderungen und Probleme der Siedlung Ludwigsfeld

Die Herausforderungen und Probleme der Siedlung Ludwigsfeld können, wie bereits die Ressourcen und Potenziale, in die folgenden vier Kategorien unterteilt werden: Wohnsituation, Infrastruktur, soziales Miteinander und Freizeitmöglichkeiten. Dabei wird bereits deutlich, dass die einzelnen Themenkomplexe sowohl Positives als auch Negatives in sich vereinen bzw. dass sich die Themenkomplexe durch einen kontinuierlichen Aushandlungs- und Entwicklungsprozess auszeichnen, in dem sich immer wieder ein neues Verhältnis von Vor- und Nachteilen konstituieren kann.

Tabelle 4: Aktivierende Befragung: Herausforderungen und Probleme der Siedlung Ludwigsfeld
WohnsituationInfrastrukturSoziales MiteinanderFreizeit-möglichkeiten
  • Verschlechterung der Wohn-bedingungen
  • Problematische Verkehrssituation
  • Fehlende Parkplätze

 

  • Mangelnde Ausstattung an „Dingen des alltäglichen Lebens“ (u.a. Einkaufs-möglichkeiten, Bankautomat, Apotheke)
  • Fehlender Sozialer Treffpunkt (Wirtschaft, Gastronomie, Kneipe, Café, Nachbarschaftstreff)
  • Zusammenhalt nicht mehr so stark wie früher
  • Fehlende Räumlichkeiten zur Anmietung für Feste, Kunst- und Musikprojekte
   

In Bezug auf die Wohnsituation wird von einigen Bewohner*innen eine Verschlechterung der Wohnbedingungen benannt, die sich insbesondere auf eine mangelhafte Ausstattung in diversen Wohnhäusern und Wohnungen beziehe. Von vielen Befragten, insbesondere Anwohner*innen der Kristallstraße, wurde sehr eindringlich auf die problematische Verkehrssituation – speziell zu den Hauptverkehrszeiten – hingewiesen. Zudem wird von den Befragten für die gesamte Siedlung das Fehlen von Parkplätzen betont.

Bezüglich der Infrastruktur wird von den Befragten vermehrt auf die mangelnde Ausstattung an „Dingen des alltäglichen Lebens“ hingewiesen. Dies betreffe im Wesentlichen Einkaufsmöglichkeiten und Lebensmittelgeschäfte, einen Bankautomaten und eine Apotheke.

Wie bereits beschrieben, nimmt das soziale Miteinander einen besonderen Stellenwert in der Siedlung ein. In der Aktivierenden Befragung wurde immer wieder darauf hingewiesen, dass der Zusammenhalt in der Siedlung nicht mehr so stark wie früher sei. Für diese negative Entwicklung spiele das Fehlen eines Sozialen Treffpunktes (z.B. in Form eines Cafés, einer Wirtschaft/Kneipe/Gastronomie oder eines Nachbarschaftstreffs) eine wesentliche Rolle, da somit ein alltägliches Beisammensein, gemeinsames Kennenlernen (auch Neuzugezogener) und ein unkomplizierter Austausch untereinander vor Ort kaum möglich sei.

Im Themenkomplex Freizeitmöglichkeiten wird von den Befragten wiederholt auf das Fehlen von Räumlichkeiten zur Anmietung für Feste, Kunst- und Musikprojekte hingewiesen. So sei es für eine rege Kulturszene in Ludwigsfeld – die sich gerade auch aus der historischen Entwicklung der Siedlung und der Vielzahl an unterschiedlichen Nationalitäten und Kulturen vor Ort ergibt – kaum möglich, ihre verschiedenen Kunstformen regelmäßig auszuüben und mit den Bewohner*innen der Siedlung zu teilen.

(3) Veränderungswünsche für die Siedlung Ludwigsfeld

Im Rahmen der Aktivierenden Befragung ließen sich ebenfalls Veränderungswünsche für die Siedlung Ludwigsfeld für die vier bereits genannten Kategorien identifizieren (vgl. Tabelle 5).

Tabelle 5: Aktivierende Befragung: Veränderungswünsche für die Siedlung Ludwigsfeld
WohnsituationInfrastrukturSoziales MiteinanderFreizeit-möglichkeiten
  • Keine weiteren Mieterhöhungen
  • Weniger (Durch-gangs-)Verkehr
  • Lösung des Parkproblems
  •  Zusätzliche Einkaufs-möglichkeiten (insbesondere Lebensmittel)
  • Sozialer Treffpunkt (Wirtschaft, Gastronomie, Kneipe, Café, Nachbarschafts-treff)
  • Verbesserung bestehender Spielplätze und zusätzlich neue Spielplätze

Bezüglich der Veränderungswünsche ist hervorzuheben, dass es zum Teil Überschneidungen mit bereits genannten Herausforderungen und Problemen in der Siedlung (siehe Tabelle 4 oben) gibt. Die Identifizierung dieser Themen ist im Zuge einer Aktivierenden Befragung von besonderer Bedeutung, da es sich dabei nicht nur um Themen handelt, die als Probleme benannt werden, sondern für die bereits eine gewisse Bereitschaft bzw. Absicht der Bewohner*innen zu deren Veränderung festgestellt werden kann (vgl. Stoik 2009). Diese „Dopplung“ von Themen betrifft im Kontext der Wohnsituation insbesondere den Wunsch nach einer veränderten Verkehrs- und Parkplatzsituation, im Kontext der Infrastruktur den Wunsch nach zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten und im Kontext des Sozialen Miteinanders den Wunsch nach einem Sozialen Treffpunkt in der Siedlung.

(4) Wünsche an die Caritas vor Ort

Insgesamt erhält die Caritas für ihre Einrichtungen und Angebote in der Siedlung sehr positive Rückmeldungen. Als wesentlicher Veränderungswunsch wird ein Sozialer Treffpunkt, der allen Bewohner*innen der Siedlung Ludwigsfeld zugänglich ist, an die Caritas formuliert. Die Bewohner*innen der Siedlung scheinen grundsätzlich einer generationen- und zielgruppenübergreifenden Ausrichtung der Caritas (oder zumindest Teilen der Caritas Angebote) in Ludwigsfeld sehr positiv gegenüberzustehen. Erste Wünsche und Vorstellungen der Befragten zeigen hierbei viele Anknüpfungspunkte für eine mögliche Veränderung hin zu einem Nachbarschafts- bzw. Bewohner*innentreff oder Quartierscafé. In den Befragungen bekundeten einige Bewohner*innen bereits ihre Bereitschaft sich an einem derartigen Treffpunkt auch aktiv beteiligen zu wollen, sodass ein gewisser Teil der Organisation durch die Bewohner*innen vor Ort selbst getragen werden könnte.

3.3.3 Zielgruppenspezifische Befragungen

Nachfolgend werden die zentralen Ergebnisse der zielgruppenspezifischen Befragungen mit Kindern, Jugendlichen, Eltern und Senior*innen dargestellt.

  • Kinder

Bei der Bilderauswertung wurden nur diejenigen Bilder berücksichtigt, die mit dem gegebenen Malauftrag in Verbindung standen. Die Kinder sollten dabei etwas malen, das ihnen besonders gut an Ludwigsfeld gefällt oder ihre Wünsche für den Stadtteil. Die Jungen malten hier vermehrt den Bolzplatz, wobei zwei von ihnen regelmäßig in einer Mannschaft trainieren. Das Jump In wurde dreimal gemalt, der Spielplatz in Ludwigsfeld einmal, wo sich die Kinder gerne mit Freunden treffen. Der Wunsch eines Mädchens war es, dass die Autos am Zebrastreifen in der Siedlung konsequent halten und selbigen nicht unberücksichtigt lassen sollten.

Auf die Frage „Gefallen dir die Angebote im Jump In?“ ergaben sich sehr viele positive Rückmeldungen. Besonders die vielen Spiele, der Mädchentreff, das künstlerische Angebot und das Yoga haben es den Kindern angetan. Zwei Kinder äußerten den Wunsch nach einem Ausbau des Fußballangebots und nach einem Tanzkurs. In den Räumlichkeiten des Hauses scheinen sich die Kinder sehr wohl zu fühlen, denn diese seien groß und schön bunt, und auch der Garten biete viel Platz zum Toben, wobei beim Fußball spielen die Bäume teilweise im Weg stünden. Zentrale Orte für die Freizeitgestaltung sind nach Aussagen der Kinder die Spielplätze in Ludwigsfeld. Dort treffe man sich mit Freunden nach der Schule zum Spielen. Allerdings wünschten sich drei Kinder eine bessere Ausstattung der Spielplätze. Ein Kind forderte zudem noch weitere Spielplätze. Ein Mädchen hatte die Idee, dass ein Fest für alle Kinder am Spielplatz eine Bereicherung darstellen würde. Insbesondere die Jungen verbringen viel Zeit am Fußballplatz und wünschten sich noch mehr Angebote zum Spielen. Zudem bemängelten sie, dass es keine Zäune rund um den Fußballplatz gebe. Der Zustand des Rasens sei laut der Kinder nicht gut und das Feld zu groß.

Bei der Frage, ob die Kinder auch im Erwachsenenalter noch in Ludwigsfeld wohnen möchten, antworteten sieben Kinder mit „ja“, eins mit „nein“ und zwei waren sich unsicher. Drei genannte Gründe für den Verbleib in Ludwigsfeld waren: die schöne Natur, die Nähe zum FC Bayern München und die absolute Zufriedenheit mit ihrem Leben in Ludwigsfeld. Von vier Kindern wurde genannt, dass sie viele Freunde in Ludwigfeld haben und alle Leute sehr nett seien.

Es ist bemerkenswert, dass wie bei der Aktivierenden Befragung ebenfalls der Wunsch nach mehr Parkplätzen und weniger Baustellen aufkam. Die mit der Parkplatzsuche einhergehende Umweltverschmutzung wurde ebenfalls von einem Kind genannt.

Die Kinder erwähnten, dass sie sich häufig außerhalb von Ludwigsfeld mit Verwandten oder Freunden treffen oder mit ihren Eltern Essen gehen. Als Treffpunkt in Ludwigsfeld wurde deshalb von zwei Kindern eine Eisdiele oder ein Schwimmbad gewünscht.

Ob sich die Kinder vorstellen können auch im Generationenhaus mehr mit den Eltern zusammen zu machen, wurde von vier mit ja beantwortet. Vorschläge wären hierfür: malen, reden, essen oder Fußballspielen. Zwei Kinder möchten generell mehr Zeit mit ihren Eltern in ihrer Freizeit verbringen. Vier der befragten Kinder äußerten lieber alleine im Jump In spielen zu wollen, da sie Erwachsene als störend empfinden würden.

  • Jugendliche

Die zentralen Ergebnisse der Befragungen mit den Jugendlichen, die in der Regel zwischen ein- und dreimal pro Woche im Jump In sind, lassen sich überblicksartig wie folgt darstellen (vgl. Tabelle 6):

Tabelle 6: Überblick Ergebnisse Befragung Jugendliche
FragestellungAntworten
Lebst Du gerne in Ludwigsfeld?
Was gefällt
Dir besonders an Ludwigsfeld?
  • Ruhig
  • Grünflächen
  • Gesellschaft
  • Rollschuhplatte
  • Fußballplatz
  • Basketballplatz
  • Spielplatz
  • Freizeitaktivitäten
  • Siedlung allgemein
Was gefällt Dir in Ludwigsfeld nicht so gut?
Was nervt Dich an Ludwigsfeld?
  • Bus braucht eine Stunde bis nach München
  • Fehlender Zebrastreifen (Haltestelle Siedlung Ludwigsfeld)
  • Fehlende Bänke bei der Bushaltestelle an der Opalstraße; kein Bürgersteig an der Haltestelle
  • Fehlende Parkplätze
  • Schlechter Rasen vom Fußballplatz
  • Busverspätungen
Welche Angebote gefallen Dir im Jump In am besten?
  • Theater
  • Ausflüge
  • Zirkus
  • Turniere gegen andere Jugendzentren
Was sind Gründe, um ins Jump In zu kommen?
  • Billard spielen
  • Mit Freunden treffen
  • Musik hören
Hast Du Wünsche, was sich im Jump In verändern sollte?
  • Mehr Rückzugsorte
  • Mehr Beleuchtung draußen
  • Neuer Fußball
  • Boxraum und Boxhandschuhe
  • Fitnessraum
Gibt es Orte in Ludwigsfeld, wo Ihr euch trefft, wo Ihr nicht so gerne gesehen werdet?
  • Rollschuhplatte (wenn der Fußball über den Zaun fällt)
Was würdest Du in Ludwigsfeld ändern, wenn Du die Chance dazu hättest?
  • Teich
  • Maibaum

In den Befragungen mit den weiblichen Jugendlichen berichteten diese von „fehlenden Parkplätzen“ und einem „fehlenden Zebrastreifen“. Dabei wurden von den beiden Jugendlichen Themen angesprochen, die bereits in der Aktivierenden Befragung von Erwachsenen erwähnt wurden. Das Jump In besuchen sie prinzipiell montags, weil sie an diesem Tag dort Theater spielen. Nach Aussage der beiden weiblichen Jugendlichen sei die Theatergruppe aktuell sehr klein. Auf Nachfrage der Studierenden warum dies so sei, gaben sie an, dass ihrerseits das Gefühl besteht, dass es insgesamt wenige Jugendliche in Ludwigsfeld gibt. Es gäbe eher mehr Kinder und Erwachsene in der Siedlung.

Bei den sieben männlichen Jugendlichen drehte sich beinahe das ganze Gespräch um Fußball, dass der „Rasen schlecht“ wäre, weil viele Autos darauf parken würden oder dass ein „neuer Fußball“ nach ihren Aussagen wünschenswert sei. Es wurde deutlich, dass das Thema Sport und dabei speziell Fußball eine große Rolle in ihrer Freizeit spielt. Das Jump In stellt für die Jugendlichen eine Treffpunktmöglichkeit dar. Sie gaben an, dass sie das Jugendzentrum in erster Linie besuchen, um „Freunde zu treffen“, dort miteinander „Billard“ spielen, „Musik hören“ oder sich miteinander unterhalten. Sie wünschen sich „mehr Rückzugsorte“, denn das Jump In verfüge über einen großen Raum, in dem sich die Jugendlichen aufhalten können. Dieser Raum wird am Nachmittag von den Kindern benutzt und am Abend biete er einen Treffpunkt für die Jugendlichen im Ort. Zusätzlich äußern die männlichen Jugendlichen Wünsche wie „einen Fitness- oder Boxraum“ sowie „mehr Beleuchtung draußen“, um auch draußen Fußball spielen zu können, wenn es bereits dunkel ist.

  • Eltern

Die befragten Eltern berichten vor allem von den Grünflächen beziehungsweise der umliegenden Natur sehr positiv in Bezug auf das Leben vor Ort. Zudem wird das Kinderhaus der Caritas wie auch der Zusammenhalt in Ludwigsfeld als sehr positiv hervorgehoben.

Im Gegenzug bemängeln die befragten Eltern die schlechte Infrastruktur in Ludwigsfeld und den Parkplatzmangel. Zudem empfinden einige Eltern den Verkehr in Ludwigsfeld als gefährlich. Besonders negativ wird der Mangel an Geschäften von den Eltern angesehen.

Die Eltern wurden zudem über ihre Zufriedenheit mit der Kinderbetreuung in Ludwigsfeld befragt. Die Ergebnisse zeigen hierbei eine große Zufriedenheit. Hierfür wurden verschiedene Gründe genannt. Mehrheitlich wurde das gute Team beziehungsweise die Kindergärtner*innen der Kinderbetreuung als ausschlaggebend für ihre große Zufriedenheit genannt. Zudem wurde die Leitung der Kinderbetreuungsstätte von den Eltern sehr gelobt. Die vielen Angebote für Eltern und Kinder wurden ebenfalls von den Eltern positiv hervorgehoben.

Die Eltern wurden zusätzlich nach Verbesserungsvorschlägen bezüglich der Kinderbetreuung in Ludwigsfeld gefragt. So wünschten sich einige Eltern mehr Ausflüge für die Kinder im Kindergarten. Die Hälfte der Befragten hätten gerne mehr Hortplätze im Angebot der Kinderbetreuung und eine Kleinkinderbetreuung im Winter. Ebenfalls sei der Bedarf nach mehr Nachmittagsbetreuung, einem neu gestalteten Spielplatz im Kindergarten und einem Winterfest zu verzeichnen. Eine Mutter sprach sich zudem gegen den „Schlafzwang“ im Kindergarten aus. Zudem wurde von einer Befragten der Wunsch nach mehr und genaueren Informationen über ihr Kind geäußert. Ungefähr die Hälfte der Befragten sprach sich für eine Ganztagsbetreuung in den Ferien aus, während die andere Hälfte dagegen stimmte. Für mehr Familienfeste stimmte etwa ein Drittel der befragten Eltern.

Abschließend äußerten die Eltern allgemeine Anregungen, Ideen und Wünsche für das Leben in Ludwigsfeld. Hierbei wurde insbesondere erwähnt, dass ein Sozialer Treffpunkt, wie zum Beispiel ein Café, oder auch nur Räumlichkeiten zum gemeinsamen Zusammenkommen, sehr wichtig wären. Außerdem wird eine bessere Kommunikation zwischen der Caritas und den Menschen vor Ort gewünscht. Hierbei sollte vor allem auf sprachliche Barrieren geachtet werden, um auch Bewohner*innen Ludwigsfelds, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, anzusprechen. Eine befragte Mutter bemängelte zudem, dass die Wohnungen in Ludwigsfeld zu klein für Familien seien.

  • Senior*innen

Zu dem Themenkomplex „Leben in Ludwigsfeld“ konnten diverse Problemstellungen und Veränderungspotenziale anhand der Aussagen der Befragten gewonnen werden, die sich in folgenden vier Kategorien unterteilt lassen: „Problemstellungen: Verkehr und Infrastruktur“, „Problemstellungen: Versorgung“, „Problemstellungen: Wohnumfeld“ und „Problemstellungen: Gesellschaftliche Aktivitäten". Nachfolgend soll ein entsprechender Überblick über die zentralen Ergebnisse gegeben werden (vgl. Tabelle 7):

Tabelle 7: Überblick Ergebnisse Befragung Senior*innen „Leben in Ludwigsfeld“
Problemstellungen:
Verkehr und Infrastruktur
  • Parkplätze
  • Berufsverkehr, Verkehr allgemein (sollte durch Ausbau der Karlsfelder Str. verbessert werden)
  • Bessere Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln nötig
Problemstellungen:
Versorgung
  • Einkaufsmöglichkeiten
  • Ärztliche Versorgung (Ärztin hört bald auf) à Idee: rollende*r Doktor*in
  • Keine Post vorhanden
Problemstellungen:
Wohnumfeld
  • Höhe der Mietkosten
  • Ausstattung der Wohnungen mangelhaft
  • Steigende Nebenkosten durch Pflege der Grünanlagen
  • Fehlende Barrierefreiheit, bzw. Wohnungen (z.B. Treppen, Schwellen) und Straßen der Siedlung nicht altersgerecht
  • Schlechter Ruf der Siedlung
Problemstellungen:
Gesellschaftliche Aktivitäten
  • Kein Kino
  • Fehlende Veranstaltungen
  • Kein Lokal/keine Gaststätte
  • Keine Siedlungszeitung mehr

Tabelle 7: Überblick Ergebnisse Befragung Senior*innen „Leben in Ludwigsfeld“

Zu dem Themenkomplex „Angebote der Caritas in Ludwigsfeld“ konnten diverse Erkenntnisse anhand der Aussagen der Befragten gewonnen werden, die sich in folgende vier Kategorien unterteilen lassen: „Positives“, „Wahrgenommene Problemstellungen“, „Verbesserungsvorschläge für Senior*innentreff“ und „Aussagen zu einem generationenübergreifenden Angebot/Treff“. Nachfolgend soll ein entsprechender Überblick über die zentralen Ergebnisse gegeben werden (vgl. Tabelle 8):

Tabelle 8: Überblick Ergebnisse Befragung Senior*innen „Angebote der Caritas in Ludwigsfeld“
Positives
  • Ausflüge
  • Walken
  • Kochen/Catering am Nachmittag (Vergangenheit)
  • Teilnehmer werben aktiv (nach eigener Aussage) für Angebote
Wahrgenommene Problemstellungen
  • Beratungsangebote nicht so bekannt
  • Schwer in vorhandene Seniorengruppe reinzukommen (bezogen auf „Oldie-Treff“)
  • Einsamkeit als Problem bei anderen Senior*innen (jedoch Ablehnung der Caritas Angebote durch die betroffenen Personen)
  • Gründe für Nicht-Nutzen der Caritas Angebote: „Fremdenscheu“, Fehlendes Gemeinschaftsgefühl, Cliquendynamik
  • Stigmatisierung durch „Geschenke“ von Caritas (Hilfebedürftigkeit)
  • Ehemalige Nutzer*innen „sterben in der Siedlung langsam weg“
  • Manche Angebote (Gymnastik, Spielenachmittag) werden nicht so gut angenommen
  • Geringe Mobilität als Ursache für Nicht-Nutzung
  • Vorbehalte gegenüber Caritas als katholische Organisation
Verbesserungsvorschläge für Senior*innentreff
  • Mehr Öffentlichkeitsarbeit, Werbung (für schon vorhandene Angebote)
  • Programm öffentlich und gut sichtbar aushängen (z.B. Infokasten Onyxplatz)
  • Mehr kulturelle Angebote: z.B. Lesen/Buchclub, Kino
  • Mehr Informationsangebote: Vorträge (z.B. über Krankheiten im Alter)
  • Mehr sportliche Angebote: Tischtennis, Qi-Gong
  • Angebote für Senioren zu folgenden Zeiten: tagsüber von 9/10 bis 16:30/17 Uhr im Winter bzw. 18 Uhr im Sommer
  • Zusammenarbeit mit Fahrservice von IGLU
  • Förderung von mehr Toleranz in der Siedlung
  • Veränderung bei Gestaltung Mittagstisch: Mitwirken beim Kochen

Die Kategorie „Aussagen zu einem generationenübergreifenden Angebot/Treff“ kann zudem in die beiden Unterkategorien „Vorbehalte und Meinungen“ sowie „Ideen für die Umsetzung“ unterteilt und deren Ergebnisse wie folgt dargestellt werden (vgl. Tabelle 9):

Tabelle 9: Überblick Aussagen Senior*innen zu generationenübergreifenden Angebot/Treff
Vorbehalte und MeinungenIdeen für die Umsetzung
  • Zu viele unterschiedliche Interessen und Vorstellungen an entsprechendes Angebot
  • Einige Bewohner*innen wollen lieber „unter sich bleiben“
  • Generationenunterschiede heute noch größer als früher
  • Eigenes Gefühl der Skepsis gegenüber Neuem
  • Wird am finanziellen Aspekt scheitern
  • „Nicht zu oft“ (nicht wöchentlich, eher 14-tägig)
  • Grundsätzliche Gestaltung wie bei Sommerfest oder Osterbrunch
  • Filme
  • Diskussionen
  • Vorträge, die nicht zu wissenschaftlich sind, über aktuelle Themen, Bücher, andere Kulturen
  • Grillen (selbst mitbringen)
  • Türkisch und Deutsch: gemeinsames Fernsehen

Insgesamt entstand während des Gruppeninterviews der Eindruck, dass die Befragten durchaus Veränderungen für nötig halten (siehe auch Menge der beobachteten Problemstellungen) und auch bereit wären bei der Entwicklung neuer Angebote (siehe Sammlung „Verbesserungsvorschläge für Senior*innentreff“ und „Aussagen zu einem generationenübergreifenden Angebot/Treff“) mitzuarbeiten. Der „Ergebnisdialog“ (siehe nähere Beschreibung in Kapitel 5 „Ausblick“) scheint von den Befragten mit großer Spannung erwartet zu werden.

4. Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse

Im Rahmen der vorliegenden Sozialraumanalyse wurden – wie bereits oben ausführlich dargelegt – anhand unterschiedlicher Befragungsmethoden zahlreiche Erkenntnisse bezüglich der Siedlung Ludwigsfeld generiert. Nachfolgend soll ein zusammenfassender Blick des Erkenntnisgewinns der Sozialraumanalyse gegeben werden.

Anhand der Interviews mit den Schlüsselpersonen konnten zunächst einige zentrale Themen der Siedlung Ludwigsfeld herausgearbeitet werden, die auch in den drauffolgenden Befragungen von Relevanz waren:

  • Historische Entwicklung der Siedlung: Menschen unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen leben seit Jahrzehnten gemeinsam in der Siedlung
  • Ausverkauf der Siedlung im Jahr 2007 als zentrales und nachhaltiges Ereignis für die Bewohner*innen
  • Stadtteil von Politik häufig „vergessen“, „vernachlässigt“
  • Sozialer Zusammenhalt/soziales Miteinander hat große Bedeutung
  • Großes zivilbürgerschaftliches Engagement vor Ort
  • Bedarf eines generationenübergreifenden Sozialen Treffpunkts
  • Ø Fehlende Räumlichkeiten für Feste, Vereinssitzungen, Kunst- und Musikprojekte
  • Psychosoziale Versorgung: fehlende Fachärzt*innen, fehlende Apotheke, mehr aufsuchende und niedrigschwellige Angebote notwendig
  • Es fehlen (soziale) Angebote für Bewohner*innen zwischen ca. 20 und 60 Jahren, hingegen sei für die Jüngeren die Kinderbetreuung und das Jump In sehr positiv, für die Älteren die Angebote des Seniorenzentrums
  • Caritas sollte ihre Angebote verstärkt generationenübergreifend ausrichten und stärker für alle Bewohner*innen Ludwigsfelds öffnen
  • Problematische Verkehrs- und Parkplatzsituation

Es zeigten sich anhand der Aktivierenden Befragung diverse Potenziale und Ressourcen in der Siedlung Ludwigsfeld (vgl. Tabelle 3). Diese konnten zum Teil anhand der zielgruppenspezifischen Befragungen noch konkretisiert werden.

  • Ruhige Lage, grünes Umfeld, Dorfcharakter mit Großstadtnähe
  • Großer Zusammenhalt und große Hilfsbereitschaft untereinander
  • Sehr gutes Zusammenleben unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen
  • Kinder- und familienfreundliches Umfeld

Es zeigten sich anhand der Aktivierenden Befragung diverse Herausforderungen und Probleme in der Siedlung Ludwigsfeld (vgl. Tabelle 4). Diese konnten zum Teil anhand der zielgruppenspezifischen Befragungen noch konkretisiert werden.

  • Problematische Verkehrssituation und fehlende Parkplätze
  • Mangelnde Ausstattung an „Dingen des alltäglichen Lebens“

(Einkaufsmöglichkeiten, Bankautomat, Apotheke)

  • Fehlender Sozialer Treffpunkt (dadurch nimmt Zusammenhalt in der

Siedlung ab)

  • Fehlende Räumlichkeiten für kulturelle Aktivitäten

Es zeigten sich an der Aktivierenden Befragung diverse Veränderungswünsche für die Siedlung Ludwigsfeld (vgl. Tabelle 5). Diese konnten zum Teil anhand der zielgruppenspezifischen Befragungen noch konkretisiert werden.

  • Lösung des Verkehrs- und Parkplatzproblems
  • Zusätzliche Einkaufsmöglichkeiten
  • Verbesserung bestehender Spielplätze und Bolzplätze
  • Eröffnung eines Sozialen Treffpunkts

Anhand der Aktivierenden Befragung wie auch den zielgruppenspezifischen Befragungen konnten diverse Wünsche an die Caritas in Ludwigsfeld identifiziert werden:

  • Zielgruppenspezifische Wünsche (vgl. 3.3.3):
  • Kinder wünschen sich zusätzliche Angebote im Jump In (z.B. Tanzkurs)
  • Jugendliche wünschen sich zusätzliche Angebote (z.B. Box- und Fitnessraum) und mehr Rückzugsorte im Jump In
  • Eltern wünschen sich einen Sozialen Treffpunkt bzw. Räumlichkeiten zum gemeinsamen Zusammenkommen. Zudem wurden Verbesserungsvorschläge bezüglich der Kinderbetreuung formuliert (z.B. Hortplätze, ausgedehntere Kinderbetreuungszeiten)
  • Senior*innen wünschen sich mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr kulturelle und sportliche Angebote, mehr Informationsveranstaltungen (Vorträge zu altersrelevanten Themen) und eine verbesserte Mobilitätshilfe (Zusammenarbeit mit dem Fahrdienst von IGLU).
  • Zielgruppen- und befragungsübergreifender Wunsch:

Als wesentlicher zielgruppen- und befragungsübergreifender Veränderungswunsch wird ein Sozialer Treffpunkt, der allen Bewohner*innen der Siedlung Ludwigsfeld zugänglich ist, formuliert. Erste Wünsche und Vorstellungen der Befragten zeigen hierbei viele Anknüpfungspunkte für eine mögliche Veränderung hin zu einem Nachbarschafts- bzw. Bewohner*innentreff oder Quartierscafé. Einige Bewohner*innen bekundeten bereits ihre Bereitschaft, sich an einem derartigen Treffpunkt auch aktiv beteiligen zu wollen, sodass ein gewisser Teil der Organisation durch die Bewohner*innen vor Ort selbst getragen werden könnte.

5. Ausblick

Als zentrales Erkenntnisinteresse der Sozialraumanalyse standen folgende Aspekte im Mittelpunkt:(1) Ermittlung von Ressourcen und Bedürfnissen/Bedarfen der Bevölkerung in Ludwigsfeld, und (2) Ermittlung von Ressourcen und Potenzialen des Sozialraums.Beide Aspekte konnten – wie in Kapitel 3.3 „Zentrale Ergebnisse“ und Kapitel 4 „Zusammenfassung der zentralen Erkenntnisse“ ausführlich beschrieben – anhand der unterschiedlichen Befragungsmethoden beleuchtet werden.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen lassen sich letztlich Potenziale und Herausforderungen der Siedlung Ludwigsfeld benennen, die es nun gemeinsam vor Ort zu diskutieren gilt. Aus diesem Grund fand am 15.03.2019 ein gemeinsamer Ergebnisdialog statt, an dem alle Bewohner*innen aus Ludwigsfeld sowie interessierte und mit Ludwigsfeld in Verbindung stehende Personen aus Kommunalpolitik und Fachöffentlichkeit teilnehmen konnten. Der Ergebnisdialog war mit ca. 80 Teilnehmenden sehr gut besucht und diente sowohl der Vorstellung der zentralen Erkenntnisse der Sozialraumanalyse als auch dazu, allen Teilnehmenden eine Plattform zur gemeinsamen Diskussion zu eröffnen (vgl. Lüttringhaus/Richers 2012; Stiftung Mitarbeit/ÖGUT 2018). Im Rahmen des Ergebnisdialogs sollten insbesondere durch die Bewohner*innen Ludwigsfelds nochmals zentrale Themenschwerpunkte herausgestellt werden, an denen sie aktiv weiterarbeiten möchten, wobei der Wunsch nach einem Sozialen Treffpunkt in der Siedlung sich erneut als besonders bedeutsam zeigte. Daran anknüpfend möchte die Caritas München Nord nun gemeinsam mit den Menschen vor Ort die nächsten Schritte für die konkrete Umsetzung erarbeiten, wobei die Partizipation und aktive Mitgestaltung durch die Bewohner*innen von zentraler Bedeutung für eine gemeinsame Sozialraumentwicklung sein wird.

Literatur

Lüttringhaus, Maria/Richers, Hille (2012): Handbuch Aktvierende Befragung. Konzepte, Erfahrungen, Tipps für die Praxis. Bonn: Stiftung Mitarbeit, 3. Auflage.

Mayring, Philipp (2015): Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken. Weinheim: Beltz, 12. Auflage.

Spatscheck, Christian/Wolf-Ostermann, Karin (2016): Sozialraumanalysen. Opladen, Toronto: Verlag Barbara Budrich.

Stiftung Mitarbeit/Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik ÖGUT (Hrsg.) (2018): Bürgerbeteiligung in der Praxis. Ein Methodenbuch. Bonn: Stiftung Mitarbeit.

Stoik, Christoph (2009): Aktvierende Befragung/Aktvierende Gespräche. In: sozialraum.de (1), Ausgabe 2/2009, URL: https://www.sozialraum.de/aktivierende-befragung-aktivierendes-gespraech.php.


Fussnoten

[1] Die Sozialraumanalyse war als kooperatives Praxisforschungsprojekt der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) und der Caritas München angelegt. Dabei wurde eine Forschungswerkstatt im Wintersemester 2018/19 an der KU mit 12 Studierenden in das Projekt eingebunden. Der Autor des Artikels war für die Durchführung bzw. Anleitung des Projektes wie auch der Forschungswerkstatt verantwortlich.

[2] Es sei darauf hingewiesen, dass der vorliegende Beitrag stark an dem Abschlussbericht der Sozialraumanalyse angelehnt ist. Der Abschlussbericht wurde verschiedenen Leser*innen – u.a. den Bewohner*innen von Ludwigsfeld, interessierten und mit Ludwigsfeld in Verbindung stehenden Personen aus Kommunalpolitik und Fachöffentlichkeit, psychosozialen Fachkräften der Caritas sowie externer Kooperationspartner*innen – gleichermaßen zugänglich gemacht. Dadurch sollte ein möglichst hohes Maß an Transparenz für alle beteiligten Personengruppen verfolgt werden, damit für alle weiteren Entwicklungsschritte eine gemeinsame und einheitliche Grundlage zur Verfügung stand.

[3] Vgl. Monitoring für das Sozialreferat der Landeshauptstadt München (https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Leitung-und-Zentrale/Sozialplanung/monitoring.html)

[4] Auszug aus dem Artikel „Auf dem Weg nach oben“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 10.08.2015

[5] Vgl. für eine ausführliche Darstellung der Geschichte der Siedlung Ludwigsfeld u.a.: „Ende und Anfang – Vom KZ-Außenlager Allach zur Siedlung Ludwigsfeld“ herausgegeben 2005 von Rozalija Sokola, „40 Jahre Siedlung Ludwigsfeld 1953 – 1993“ herausgegeben 1993 von Anusch und Johannes Thiel, „60 Jahre Siedlung Ludwigsfeld“ herausgegeben 2013 von Klaus Mai.

[6] https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Sozialreferat/Leitung-und-Zentrale/Sozialplanung/monitoring.html

[7] Vgl. u.a. Artikel „Wir werden weniger“ aus der Süddeutschen Zeitung vom 04.02.2019

[8] An dieser Stelle sei allen beteiligten Akteur*innen für die Mitwirkung an der vorliegenden Sozialraumanalyse ganz herzlich gedankt.

[9] An dieser Stelle sei allen Bewohner*innen der Siedlung Ludwigsfeld für die große Teilnahmebereitschaft an den Befragungen und den vielen offenen und ehrlichen Gesprächen und Rückmeldungen sehr herzlich gedankt.


Zitiervorschlag

Daniel Niebauer (2019): Sozialraumentwicklung gemeinsam gestalten – Erkenntnisse einer Sozialraumanalyse des Münchner Stadtviertels Ludwigsfeld. In: sozialraum.de (11) Ausgabe 1/2019. URL: https://www.sozialraum.de/sozialraumentwicklung-gemeinsam-gestalten-–-erkenntnisse-einer-sozialraumanalyse-des-muenchner-stadtviertels-ludwigsfeld.php, Datum des Zugriffs: 12.11.2019

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