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Autorin

Jaqueline Kauka
Referentin für Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten im Landesjugendring Berlin.

Kontakt: kauka@ljrberlin.de

Inhalt

  1. 1. Praxiseinblicke in das Engagement der Berliner Jugendverbände und Jugendbildungsstätten im Rahmen eines Förderprojekts des Landesjugendring Berlin
  2. 2. Jugend(verbands)arbeit als Brücke in den Sozialraum
    1. 2.1 Ferienfreizeiten, Bildungsseminare, Juleica-Schulungen: Beispiele für geförderte Angebote der Jugendverbandsarbeit für junge Geflüchtete
    2. 2.2 Welche Erwartungen haben junge Geflüchtete an ihr Leben in Berlin? Förderung von Werkstätten
    3. 2.3 Unterstützung für ehren- und hauptamtliche Akteur_innen – Fortbildungsreihe „Junge Geflüchtete in der Jugend(verbands)arbeit“
    4. 2.4 Junge Geflüchtete haben Rechte! Jugendpolitische Einflussnahme als Handlungsfeld der Jugendverbandsarbeit
  3. 3. Ausblick


Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Sebastian Dirks, Fabian Kessl, Maike Lippelt, Carmen Wienand: Urbane Raum(re)produktion - Soziale Arbeit macht Stadt. Verlag Westfälisches Dampfboot (Münster) 2016. 254 Seiten. ISBN 978-3-89691-726-3. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,90 sFr.
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Ulrike Pohlmann: Haltung entwickeln - Qualität zeigen. Ein Kompass zur Eltern-, Familien- und Sozialraumorientierung. verlag das netz (Berlin) 2016. ISBN 978-3-86892-122-9.
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weitere Rezensionen zum Thema Sozialraum

Jung, geflüchtet, selbstbestimmt: Junge Geflüchtete in der Jugend(verbands)arbeit und im Sozialraum

Jaqueline Kauka

1. Praxiseinblicke in das Engagement der Berliner Jugendverbände und Jugendbildungsstätten im Rahmen eines Förderprojekts des Landesjugendring Berlin

Junge Geflüchtete haben wie alle jungen Menschen ein Recht auf selbstbestimmte und -gestaltete Freiräume, Interessenvertretung und Förderung ihrer Entwicklung. Seit mehr als einem Jahr unterstützt der Landesjugendring Berlin daher Jugendverbände und Jugendbildungsstätten in ihrer Zusammenarbeit mit jungen Geflüchteten, um diese Rechte zu realisieren.

Dafür werden Mikroprojekte von Berliner Jugendverbänden und Jugendbildungsstätten gefördert, die sich ganz gezielt an junge Geflüchtete richten. Von Juni bis Dezember 2015 konnten insgesamt 29 Projekte durch Mittel der Stiftung Demokratische Jugend durchgeführt werden. Mit Mitteln der Kreuzberger Kinderstiftung kamen bis April 2016 weitere 19 Projekte hinzu. Seit Mai 2016 wird das Projekt durch das Land Berlin und die Stiftung Demokratische Jugend gefördert. Neben den Mikroprojekten werden 2016 auch Werkstätten für junge Geflüchtete angeboten, in denen die Positionen der jungen Menschen gesammelt und in die öffentlichen Diskurse eingebracht werden. Zudem werden Haupt- und Ehrenamtliche aus der Jugendverbands- und Jugendbildungsarbeit durch eine Fortbildungsreihe unterstützt.

2. Jugend(verbands)arbeit als Brücke in den Sozialraum

Logo BJRDie Flucht der jungen Menschen ist mit vielen schwerwiegenden und einschneidenden Konsequenzen verbunden: Sie müssen ihre Peergroup zurücklassen, ihre Ausbildung unterbrechen, Zukunftspläne vertagen oder sogar ganz aufgeben. Unsere Aufnahmegesellschaft muss dafür sorgen, dass junge Geflüchtete in die Lage versetzt werden, mit den ungewollten biografischen Brüchen leben zu können, d. h. selbstbestimmt Perspektiven für die Zukunft entwickeln zu können. Hier spielen vor allem Jugendverbände als Interessenvertretungen und Selbstorganisationen junger Menschen als auch Jugendbildungsstätten als zentrale Einrichtungen der außerschulischen Bildung eine besondere Rolle: Jugendarbeit, die dort geleistet wird, stellt eine wichtige Brücke in den Sozialraum dar. Junge Geflüchtete können hier ihr Recht auf persönliche Entfaltung ausleben und finden einen besonders niedrigschwelligen Zugang zum Alltag und zu den Lebenswelten Gleichaltriger. Als Interessenvertretungen bieten Jugendverbände jungen Geflüchteten Möglichkeiten, der eigenen Stimme Gehör zu verschaffen und bieten für alle jungen Menschen – ungeachtet des Aufenthaltsstatus und der damit verbundenen rechtlichen Einschränkungen – Möglichkeiten der gleichberechtigten Teilhabe und Selbstbestimmung. Jugendverbände sind Orte der Selbstwirksamkeit, der Selbstverwirklichung und des Empowerments.

2.1 Ferienfreizeiten, Bildungsseminare, Juleica-Schulungen: Beispiele für geförderte Angebote der Jugendverbandsarbeit für junge Geflüchtete

Das Engagement von Jugendverbänden und Jugendbildungsstätten ist hoch, Angebote für und mit junge(n) Geflüchtete(n) zu schaffen und die jungen Menschen gleichberechtigt in die Mitwirkungsstrukturen der Organisationen einzubeziehen. Durch das Förderprojekt „Jung, geflüchtet, selbstbestimmt“ konnte der Landesjugendring Berlin seit Sommer 2015 mehr als 65 Projekte der Jugend- und Jugendverbandsarbeit mit jungen Geflüchteten unterstützen.

Die Projekte, die in diesem Rahmen gefördert wurden und werden, sind vielfältig und bewegen sich im gesamten Spektrum der Jugendverbands- und Jugendbildungsarbeit – einen Einblick in das Engagement der Jugendverbände und Jugendbildungsstätten geben folgende Beispiele:

Im Sommer 2015 startete das Urban Gardening Projekt der BUNDjugend Berlin, in dem junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund in einer Geflüchteten-Unterkunft in Berlin-Zehlendorf einen Gemeinschaftsgarten aufgebaut haben. Gemeinsam bauen sie Hochbeete, pflanzen Gemüse an und organisieren weitere Gartenaktionen. Seit Frühjahr 2016 wird dieses Projekt weitergeführt, mit dem Ziel, einen Gartenbereich zu schaffen, den die Bewohner_innen der Unterkunft regelmäßig nutzen und an dessen Gestaltung sie teilhaben können.

Das Jugendrotkreuz Berlin initiierte für junge Geflüchtete aus einer Berliner Gemeinschaftsunterkunft im Sommer 2015 einen Erste-Hilfe-Aktionstag. An verschiedenen Stationen lernten die Kinder und Jugendlichen die Grundlagen der Ersten Hilfe und einen Rettungswagen von innen kennen. Außerdem konnten die jungen Menschen alles über das Deutsche Rote Kreuz und die Halbmondbewegung erfahren.

Die JungdemokratINNen/Junge Linke ermöglichen mittlerweile regelmäßig mit der Unterstützung durch Sprachmittler_innen, die durch das Förderprojekt finanziert werden, jungen Geflüchteten die Teilnahme an ihren zum Teil mehrtägigen Bildungsseminaren.

Nur zwei Beispiele der vielen Angebote der ver.di Jugendbildungsstätte Konradshöhe für junge Geflüchtete sind zum einen die Workshops zu den Themen Heimat, Zusammengehörigkeit, Kommunikation und Jugendkultur in Willkommensklassen. Zum anderen entwickelte die Jugendbildungsstätte ein außerschulisches Bildungsprogramm in den Sommerferien 2016: Junge Geflüchtete unternahmen mit anderen Berliner Jugendlichen Ausflüge, und Freizeitaktionen und nahmen an Seminaren teil. Im Fokus aller Angebote standen die Themen gesellschaftliche Teilhabe, Mobilität, Umweltschutz und Gender.

Der Bund Deutscher PfadfinderInnen Berlin (BDP) ermöglichte im Frühjahr 2016 jungen Menschen mit Fluchthintergrund eine Juleica-Schulung. Dabei werden junge Menschen zu Jugendleiter_innen ausgebildet. Im Rahmen der Schulung werden Schlüsselqualifikationen und Fachwissen vermittelt, die für die Leitung einer Jugendgruppe relevant sind.

Die Jugendbildungsstätte Kaubstraße konzipierte das Seminar „Spielen (fast) ohne Worte“, in dem Spiele und Methoden vermittelt wurden, die ohne viele Worte und gemeinsamer Sprache auskommen.

Die Jugendfeuerwehr Wedding setzte ebenfalls verschiedene Angebote um – u. a. ein interkulturelles Kochtandem und die Erstellung einer Feuerwehrlernhilfe in verschiedenen Sprachen.

Der Bund der Alevitischen Jugend Berlin veranstaltete ein Weihnachtsfest für Kinder aus Flüchtlingsunterkünften.

Über das Landesjugendwerk der AWO Berlin nahmen 2015 und 2016 junge Geflüchtete an der Kinderrepublik Sylt teil, im Fotokurs „Losgeknipst“ der Falken Berlin entdeckten geflüchtete Jugendliche ihren Kiez mit der Kamera neu, der Bund der Deutschen Pfadfinder_innen ermöglichte jungen Neuankömmlingen die Teilnahme am Kinderzeltlager an der Mecklenburgischen Seenplatte.

In vielen der geförderten Projekte ist es gelungen, die entstandenen Kontakte zueinander zu halten und das gemeinsame Engagement im Jugendverband fortzuführen. So sind in vielen Jugendverbänden junge Geflüchtete mittlerweile gleichberechtigt in die Mitwirkungsstrukturen der Verbandsarbeit eingebunden und mitverantwortlich bei der Planung und Gestaltung von Angeboten der jeweiligen Organisationen. Während zu Beginn des Förderprojekts des Landesjugendring Berlin in erster Linie Angebote für junge Geflüchtete gemacht wurden, entwickelten sich insbesondere Folgeprojekte dahin, Angebote gemeinsam mit jungen Geflüchteten zu realisieren.

Eine Übersicht über alle bislang geförderten Projekte sind auf dem Blog www.jung-gefluechtet-selbstbestimmt.de zu finden. Dort berichten die Projektträger auch regelmäßig über ihre Erfahrungen und ermöglichen unmittelbare Einblicke in ihre Praxis.

2.2 Welche Erwartungen haben junge Geflüchtete an ihr Leben in Berlin? Förderung von Werkstätten

In einem gemeinsamen Projekt des Landesjugendring Berlin und Jugendverbänden sowie Jugendbildungsstätten sollen die Stimmen junger Geflüchteter in die öffentlichen Diskurse eingebracht werden. Jugendverbände und Jugendbildungsstätten führen dazu im Sommer 2016 Werkstätten durch, in denen sie die Positionen der jungen Menschen sammeln und durch Nutzung unterschiedlicher Medien visualisieren. 

Gefördert werden fünf Werkstätten:

Jugendbildungsstätte Kaubstraße: My story - my future?
In „Interviews ohne Worte“ beantworten die Protagonist_innen Fragen hinsichtlich ihrer Perspektiven, Wünsche, Ängste und Träume lediglich mit Mimik und Gestik. Die jungen Geflüchteten entwerfen die Fragen selbst und dokumentieren die mimischen Antworten fotografisch. Außerdem entwickeln die jungen Menschen ein Theaterstück, in dem sie mit Hilfe von pantomimischen Szenen ihre verschiedenen Geschichten sichtbar machen wollen.      

CVJM-Ostwerk: Meine Perspektive Berlin
Im Rahmen einer Schreibwerkstatt des CVJM-Ostwerk erarbeiten junge Geflüchtete Berichte, Reportagen, Geschichten und Gedichte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Erwartungen junger Geflüchteter an ein Leben in Berlin und Deutschland. In der Werkstatt thematisieren und bearbeiten die jungen Menschen ihre Erfahrungen von Flucht, Herausforderungen bei der Integration und ihre Hoffnungen und Erwartungen an die Zukunft.

ver.di Jugendbildungsstätte Konradshöhe: Podcasts | Erwartungen und Forderungen
In der Werkstatt produzieren junge Geflüchtete Podcasts, die ihre Erwartungen und Forderungen an ihr Leben in Berlin und Deutschland formulieren. In der Seminarwoche können die Jugendlichen zwischen verschiedenen künstlerischen Ausdrucksformen und Darstellungsweisen wählen. Das können gefilmte Theateraufführungen sein, Musikclips oder Foto-Ausstellungen. Die Jugendbildungsstätte bietet dafür ein breites Spektrum an Medien und Ausdrucksformen.          

BDKJ Berlin / Christliche Arbeiterjugend Berlin: Bunt und direkt
Junge Geflüchtete und Jugendliche, die schon länger in Berlin leben oder hier geboren wurden, gestalten in einem Graffiti-Workshop gemeinsam eine Hauswand des Jugendpastoralen Zentrums in Berlin-Kreuzberg am Alfred-Döblin-Platz. Das Graffiti soll langfristig die Vorstellungen und Wünsche der Jugendlichen im öffentlichen Raum sichtbar machen.

KINDERRING Berlin: Graffiti- und Airbrushprojekt
Der KINDERRING Berlin hat eine Graffiti- und Airbrush-Werkstatt für junge Geflüchtete ins Leben gerufen. Junge Geflüchtete im Alter von neun bis 25 Jahren sollen ihrer Altersgruppe entsprechend mit dem Graffiti- und Airbrushprojekt angesprochen und integriert werden.

Die Präsentation der Werkstatt-Projekte erfolgt in einer zentralen, öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung des Landesjugendring Berlin, in der den Positionen junger Geflüchteter Sichtbarkeit verliehen wird und auf ihre Interessen, Bedürfnisse, vor allem aber auch noch nicht realisierte Rechte aufmerksam gemacht wird. Im Rahmen der Präsentation wird ein direkter Dialog zwischen jungen Geflüchteten und den an der Veranstaltung teilnehmenden Politiker_innen initiiert, so dass die jungen Menschen ihre Erwartungen an ihr Leben in Berlin unmittelbar adressieren können.

2.3 Unterstützung für ehren- und hauptamtliche Akteur_innen – Fortbildungsreihe „Junge Geflüchtete in der Jugend(verbands)arbeit“

Jugendverbände bieten die Chance, jungen Geflüchteten Freiräume zu öffnen und beziehen die jungen Menschen selbstverständlich in ihre Angebote ein – sei es in Ferienfreizeiten, Seminaren, Gruppenstunden, Juleica-Schulungen oder alle anderen (offenen) Angebote der Jugendarbeit.

In dieser Arbeit entstehen häufig Fragen, aber auch der Bedarf zum fachlichen Austausch mit anderen Akteur_innen aus dem Arbeitsfeld.

Daher bietet der Landesjugendring Berlin in 2016 eine Fortbildungsreihe für Ehren- und Hauptamtliche an, um sie in ihrem Engagement zu unterstützen. In den Veranstaltungen wird es sowohl um grundlegende rechtliche als auch um pädagogische Fragen gehen. Es werden Möglichkeiten zur Erweiterung der Methodenkompetenz geboten, Hinweise zur Konzeptentwicklung gegeben und Wege aufgezeigt, die eigenen Verbandsstrukturen für die neue Zielgruppe zu öffnen.

Folgende Fragen und Themen stehen im Mittelpunkt der Fortbildungsreihe:

  • In welcher rechtlichen und sozialen Situation befinden sich junge Geflüchtete?
  • Was gilt es in der Entwicklung gemeinsamer Angebote zu beachten?
  • Welche Methoden eignen sich besonders, um mögliche Barrieren zu überwinden?
  • Wie werden junge Geflüchtete von den Angeboten erreicht? Wie werden sie nachhaltig miteinbezogen?
  • Wie wird Akzeptanz im Verband für das Thema geschaffen?
  • Welche weiterführenden Unterstützungen für junge Geflüchtete gibt es?

Diese und weitere Themen werden in insgesamt fünf Veranstaltungen in den Blick genommen. Im Fokus der Seminare stehen die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und der Einblick in die jeweilige Verbandspraxis der Kolleg_innen.

2.4 Junge Geflüchtete haben Rechte! Jugendpolitische Einflussnahme als Handlungsfeld der Jugendverbandsarbeit

Der Landesjugendring Berlin setzt sich als Zusammenschluss der Berliner Jugendverbände für die Verwirklichung des Rechts auf gesellschaftliche Teilhabe für alle jungen Menschen ein. Dementsprechend gehört es zu den wesentlichen Handlungsfeldern des Landesjugendrings, die Interessen junger Menschen in die politischen und öffentlichen Debatten einzubringen. Sich jugendpolitisch für die Verbesserung der Situation junger Geflüchteter einzusetzen ist somit selbstverständlicher Teil des Arbeitsfeldes. Der Landesjugendring Berlin führt Veranstaltungen durch, um seinen Forderungen mehr Präsenz zu verleihen, bringt die Stimmen seiner Mitglieder und anderer junger Menschen in politische Prozesse ein und veröffentlicht Stellungnahmen und Positionen zum Thema.

Im Rahmen der Mitgliederversammlung des Landesjugendring Berlin in 2016 haben Berliner Jugendverbände 15 Forderungen beschlossen, um die Situation junger Geflüchteter zu verbessern. Insbesondere die nicht jugendgerechte Grundversorgung der jungen Menschen wird darin kritisiert. Viele Unterkünfte verfügen nicht über kinder- und jugendgerechte Unterbringungsformen, bieten weder Rückzugsmöglichkeiten noch Freizeitangebote oder verlässlichen Schutz vor Übergriffen. Im Weiteren wird in dem Papier gefordert, den jungen Menschen Perspektiven, Selbstbestimmung und eine sichere Zukunft zu ermöglichen: Geflüchtete junge Menschen müssen so schnell wie möglich einen für sie sinnvollen Lebensabschnitt durchleben können, egal ob sie aus Krisengebieten oder sogenannten "sicheren" Herkunftsländern stammen. Für alle müssen die gleichen Zugangsmöglichkeiten zu Bildung, Ausbildung und Erwerbstätigkeit gelten. Wer eine Ausbildung macht, muss auch eine Aufenthaltserlaubnis bekommen, Beschäftigungsverbote darf es nicht geben. Entscheidend ist dabei, dass die jungen Menschen an ihren individuellen Kenntnis- und Leistungsständen anknüpfen können. Für die gesellschaftliche Integration ist es außerdem nötig, dass sich junge Geflüchtete in ihrem Umfeld einbringen und mitbestimmen dürfen, zum Beispiel als Beirat in den Unterkünften.

Die Ausführung zu diesen und den weiteren Forderungen sind im Positionspapier des Landesjugendring Berlin zu finden: www.ljrberlin.de/pm-forderungen-gefluechtete.

Im Oktober 2015 veranstaltete der Landesjugendring Berlin einen Politischen Abend zum Thema, um das Engagement der Akteur_innen sichtbar zu machen und zu verdeutlichen, wie notwendig die Angebote der Jugendarbeit für junge Geflüchtete sind. In einer offenen Diskussionsrunde widmeten sich politisch Verantwortliche und Akteur_innen der Jugendhilfe und der Arbeit mit Geflüchteten der Frage, welche Unterstützung nötig ist, um jungen Geflüchteten selbstgestaltete und -bestimmte Räume zu öffnen.

Auch im Jungen Wahlprogramm des Landesjugendring Berlin zur Berliner Abgeordnetenhauswahl 2016 (www.jugend-waehlt-berlin.de), das sich als Anstoß zu einem ressortübergreifenden Blick auf Kinder und Jugendliche versteht, findet das Thema junge Geflüchtete einen prominenten Platz. Eine der Forderungen, mit denen der Landesjugendring Berlin verdeutlicht, wo die Hauptstadt für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt nachbessern muss, formuliert die dringende Notwendigkeit, Jugendverbände auch weiterhin in ihrer Arbeit mit jungen Geflüchteten zu stärken – denn schon im kommenden Jahr soll die Finanzierung der Angebote durch das Land Berlin sinken. Diese Entwicklung ist absolut kontraproduktiv, denn erfolgreiche Projekte können somit nicht weitergeführt werden. Um jungen Geflüchteten weiterhin Möglichkeiten zur selbstbestimmten Freizeitgestaltung und persönlichen Entfaltung, zur Interessenvertretung und zur Selbstorganisation zu geben, wird eine langfristige Förderung und stabile Finanzierung der Jugend- und Jugendverbandsarbeit benötigt.

3. Ausblick

Für viele Berliner Jugendverbände ist die Arbeit mit jungen Geflüchteten Teil ihrer verbandlichen Praxis geworden, die Vertretung ihrer Interessen und die Auseinandersetzung mit den Themen Migration, Flucht und Asyl Teil ihres jugendpolitischen Engagements. Die Notwendigkeit, die AkteurInnen in diesem Engagement auch weiterhin zu unterstützen, ist groß. Jungen Geflüchteten muss ermöglicht werden, ihr Leben selbstbestimmt und für sie sinnvoll zu gestalten, Perspektiven zu entwickeln und ihr Recht auf Selbst- und Mitbestimmung geltend zu machen. Jungen Geflüchteten müssen Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Partizipation und konkreten Beteiligung zur Verfügung stehen.

Jugendverbände sind traditionell klassische Freiräume für selbstbestimmtes und selbstorganisiertes Engagement, Partizipation und Selbstorganisation von Kindern und Jugendlichen sind Kernbereich der Jugendverbandsarbeit – somit können Jugendverbände eine besondere Ressource für junge Geflüchtete darstellen und sollten daher auch weiter in ihrer schon bestehenden Arbeit unterstützt werden. Um auch künftig gezielt die Zusammenarbeit mit jungen Geflüchteten zu stärken, müssen die Jugendverbände neben der Bereit- und Sicherstellung materieller Ressourcen auch in die Strategie- und Projektentwicklung von Bund und Land eingebunden werden. Schließlich ist es nach wie vor notwendig, gemeinsam für eine generelle Verbesserung der Lebenssituation junger Geflüchteter einzutreten.

Weitere Informationen zur Arbeit des Landesjugendring Berlin:
www.ljrberlin.de
www.jung-gefluechtet-selbstbestimmt.de.


Zitiervorschlag

Jaqueline Kauka (2016): Jung, geflüchtet, selbstbestimmt: Junge Geflüchtete in der Jugend(verbands)arbeit und im Sozialraum. In: sozialraum.de (8) Ausgabe 1/2016. URL: http://www.sozialraum.de/jung-gefluechtet-selbstbestimmt.php, Datum des Zugriffs: 22.01.2017

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