Editorial zur Ausgabe 1/2026

Liebe Leser:innen,

herzlich willkommen zur Ausgabe 1/2026 von sozialraum.de. Diese versammelt 16 neue Beiträge zum sozialräumlichen Denken und Handeln in der Sozialen Arbeit und den Sozialwissenschaften. Erneut bilden diese ein sehr breites thematisches Spektrum ab, das die Bandbreite, Vielfalt und inhaltliche Weiterentwicklung der Reflexions- und Handlungsfelder des sozialräumlichen Fachdiskurses sehr anschaulich widergibt

Die Ausgabe wird eingeleitet mit der Rubrik „Grundlagen", in der Christian Reutlinger auf das 40-jährige Bestehen der Ottawa-Charta zur Gesundheitsförderung zurückblickt und die räumlichen Bezüge dieses Feldes anhand des St. Galler Modells für Sozialraumentwicklung verdeutlicht. Oliver Fehren, Stefan Godehardt-Bestmann, Michael Noack, Felix Manuel Nuss und Gaby Reinhard stellen in einem systematisierenden Überblicksbeitrag die neueren Entwicklungen und Zukunftsperspektiven des Fachkonzepts Sozialraumorientierung dar. Marius Otto, Markus Baum und Adrian Groschwitz betrachten die konzeptionelle Ausgestaltung von Jugendhilfeplanungsprozessen im Kontext von Digitalität, alltagstheoretischen Perspektiven und digitalen Sozialräumen. Danach folgt ein Dialog zwischen Michael May und Felix Manuel Nuss zum Begriff und Leitkonzept der Willensorientierung im Kontext des Fachkonzepts Sozialraumorientierung und dessen Kritik und Weiterentwicklung. Annika Schauer analysiert die Phänomene der raumbezogenen Gewalt und territorialen Kontrolle und reflektiert diese als Herausforderungen und fachliche Aufgabe für die quartierbezogene Soziale Arbeit. Martin Becker widmet sich unterschiedlichen konzeptionellen Vorstellungen des Gemeinwohls und dessen kollektiver Verhandlung in den Bezügen der Gemeinwesenarbeit.

Im Methodenkoffer verfolgen Anne van Rießen, Carina Bhatti und Katja Jepkens die Frage, wie Sozialraumanalysen durch subjektorientierte Ansätze demokratisiert werden können und dadurch Beiträge zur Sozialräumlichen Nutzer:innenforschung leisten können. Philipp Pilcher, Tobias Meier und Miriam Baghai-Thordsen stellen dar, wie 360-Grad-Kameras für partizipative und videogestützte Sozialraumanalysen als Erhebungsinstrument genutzt werden können.

Als Gast der Ausgabe konnten wir den Träger SAAMO Limburg aus Belgien gewinnen, der Menschen aus sozial prekären Situationen zusammenführt, geteilte Anliegen bündelt und in kollektive Lösungen überführt.

In der Rubrik Projekte stellen Kathrin Amann, Raimund Kemper und Christian Reutlinger ein Forschungsprojekt zur geschlechterreflexiven Gestaltung und Planung öffentlicher Sport- und Bewegungsräume dar und arbeiten heraus, wie Mädchen und junge Frauen hier stärker einbezogen werden können. Annette Harth hat Ansätze und Organisationen des sozialraumorientierten Katastrophenrisikomanagements in Japan empirisch erforscht und stellt zentrale Befunde und konzeptionelle Überlegungen für die Weiterentwicklung dieses Feldes vor. Keiko Nishida betrachtet anhand einer historischen Konzeptanalyse die Social Welfare Councils and die Umsetzung von Community Work in Japan und benennt gegenwärtige Herausforderungen. Kirsten Sander und Andreas Hanses arbeiten in ihrem Beitrag heraus, wie biographische Selbst-Verortungen von Jugendlichen und deren räumliche Verortung neue Zugänge für die biographische Kommunikation mit jungen Menschen eröffnen.

In der Rubrik Praxis stellt Andreas Mehlich den Einsatz von Erzählcafés als Orte der sozialen und kulturellen Annäherung in der Stadtteilarbeit vor. Benjamin Freese und Paula Domaß betrachten die Potenziale von urbanen Gemeinschaftsgärten für die Schaffung inklusiver städtischer Quartiere. Und Richard Förg berichtet von Erfahrungen und Vorgehensweisen bei der Neugliederung von Sozialräumen im Kontext der sozialen Stadt- und Quartierentwicklung in Bocholt.

Wir wünschen viel Freude beim Lesen und eine anregende Beschäftigung mit den Beiträgen dieser Ausgabe.

Bremen, Düsseldorf, Muttenz, Wien im Juni 2026

Christian Spatscheck, Ulrich Deinet, Anne van Rießen, Annette Harth, Christian Reutlinger, Richard Krisch