Skater auf einer Treppe
Druckersymbol

Suche




Autor

Matthias Scheibe, M.A.

LfbA an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg, Mitarbeiter im Projekt ‚Der Coburger Weg‘, Vorstandsmitglied der LAG Jungen- und Männerarbeit Thüringen e.V. Arbeitsschwerpunkte: Gender, Jungen und Männer, Sozialraum(orientierung), Beteiligung

Kontakt: Matthias.Scheibe@hs-coburg.de

Inhalt

  1. 1. Einleitung
  2. 2. Die Ausgangslage
  3. 3. Der Aktionskatalog
  4. 4. Der Fachtag
  5. 5. Die Ausstellung
  6. 6. Die Folgen
  7. 7. Fazit
  8. Literatur


Aktuelle Rezensionen

Buchcover

Monika Alisch, Michael May (Hrsg.): Methoden der Praxisforschung im Sozialraum. Verlag Barbara Budrich (Opladen, Berlin, Toronto) 2017. 219 Seiten. ISBN 978-3-8474-2079-8.
Rezension lesen   Buch bestellen

Buchcover

Frank Schulz-Nieswandt: Kommunale Daseinsvorsorge und sozialraum­orientiertes Altern. Nomos Verlagsgesellschaft (Baden-Baden) 2017. 61 Seiten. ISBN 978-3-8487-4360-5.
Rezension lesen   Buch bestellen

weitere Rezensionen zum Thema Sozialraum



socialnet Stellenmarkt

Fachkraft (w/m) für Wohnbereich für Menschen mit Behinderung, Langenhagen

Pädagogische Fachkraft (w/m) für heilpädagogische Jugendhilfeeinrichtung, Weilmünster

Kinderdorfmutter, Kinderdorfvater oder Kinderdorfeltern, Irschenberg

Sozialpädagoge (w/m) für Psychosoziale Betreuung / Betreutes Einzelwohnen, Berlin

Sozialpädagoge (w/m) oder Sozialarbeiter/in für Gesundheits­verwaltung, München

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Verhältnisse jungenförderlicher gestalten – Sozialraumorientierte Jungenpädagogik jenseits der Gruppenarbeit in einem Thüringer Landkreis

Matthias Scheibe

1. Einleitung

Politische Relevanz entwickelt ein Thema immer dann, wenn es öffentlichkeitswirksam präsentiert wird, beispielsweise durch Vorträge, Artikel in Fachzeitschriften, Veröffentlichungen in der lokalen Presse, eigenen Printmedien wie Broschüren und Flugblättern, öffentliche Streitgespräche bzw. Podiumsdiskussionen und Tagungen (vgl. Früchtel/Budde/Cyprian 2013, S. 260 f.). Das Thema ‚Jungen(-pädagogik)‘ wurde im Landkreis Sonneberg (Thüringen) durch viele dieser Methoden in das öffentliche Bewusstsein gebracht. Der Fachtag ‚Machos, Memmen, Möchtegerns‘ erzeugte eine enorme Nachfrage an weiteren Vorträgen und Fortbildungen (vgl. Scheibe 2014a), Aktionen wurden in der Fachzeitschrift ‚Switchboard‘ (siehe Literaturverzeichnis), im Jahresheft des Landkreises (vgl. Scheibe 2013a) und in den lokalen Medien platziert (Reifarth 2015, S. 133), eine Podiumsdiskussion veranstaltet (ebd., S. 125) und die Broschüre ‚Mentor gesucht!‘ (Reifarth/Scheibe 2014) veröffentlicht.

Jungenpädagogik ist die professionelle Soziale Arbeit deren Angebote sich gezielt an Jungen richten. Im Gruppenkontext oder Einzelgespräch werden die strukturellen Bedingungen und das persönliche Erleben der eigenen Geschlechtlichkeit thematisiert und inhaltlich, zielbezogen sowie praktisch berücksichtigt. Hierzu werden sowohl interaktive als auch strukturbezogene Methoden von den verantwortlichen pädagogischen Fachkräften eingesetzt. Wird das Angebot von einem Mann betreut, handelt es sich um Jungenarbeit, dagegen wird von Cross-Work gesprochen, wenn es eine Frau durchführt (vgl. Winter 2013). Beide Formen waren zu Beginn der 2010er Jahre im Landkreis Sonneberg bedeutend und selbstverständlich gab es verschiedene Jungengruppenangebote (vgl. Scheibe 2010; Boller 2012; Scheibe 2012; Anders 2014).

Gelingendes Junge-sein ist ein Thema, dass nicht ausschließlich Jungen betrifft, sondern u.a. auch erwachsene Fachkräfte und Ehrenamtliche. Der folgende Beitrag soll Ideen anregen, wie lokale und regionale Verhältnisse (um)gestaltet werden können, dass sie den Prozess des Mann-werdens besser unterstützen. Hierfür wird zunächst die Ausgangslage im Landkreis Sonneberg kurz skizziert. Dann werden exemplarisch drei Schlüsselaktionen vorgestellt und daraus ableitbare Veränderungen aufgezeigt. Alle Ergebnisse werden abschließend zusammengefasst.

2. Die Ausgangslage

Männlichkeit muss in der Jungenarbeit thematisiert werden, da es sich bei ihr nicht um eine natürliche Gegebenheit sondern ein relationales Konzept handelt, das sich nur in Abgrenzung zu anderen (Weiblichkeit, anderen Männern) zeigt und damit ständig neu behauptet (Individuum) und anerkannt (Umfeld) werden muss. Dies ist in modernen Gesellschaften jedoch kontingent und somit zur Gestaltungsaufgabe des Einzelnen geworden. Dieser hat aber im Rahmen der (an ihn herangetragenen und wahrscheinlich dadurch verinnerlichten) Erwartungen der sozialen Milieus, der ethnischen Gemeinschaft, der Generation sowie aufgrund seiner sexuellen Orientierung nur begrenzte Variationsmöglichkeiten (vgl. Meuser 2011, S. 275 ff.).

Die medialen, gesellschaftlichen, politischen und einige pädagogische Diskurse dominiert derzeit ein stark pauschalisierendes Jungenbild, so werden sie beispielsweise häufig ausschließlich als ‚zappelige Störenfriede‘ oder ‚Bildungsverlierer‘ wahrgenommen. ‚Die Jungen‘ existieren aber faktisch nicht, denn jeder verhält sich einzigartig, je nach dem Zusammenspiel der individuellen Lebenslagen. Alter, soziales Milieu, Wohnort (urban oder eher rural), Schultypen, gelebte Sexualität, kulturelle Hintergründe, Diskriminierungserfahrungen, körperliche und geistige Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnisse prägen die geschlechtliche Identität und die Geschlechterrolle jedes Jungen und führen somit zu einer großen Varianz der präsentierten Männlichkeit (vgl. Stuve 2012). Neben individuellen Voraussetzungen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind für die jeweiligen verinnerlichten Männlichkeitsvorstellungen vor allem auch sozialräumliche Konstellationen bedeutsam.

Der Ort, an dem Jungen wohnen und aufwachsen, ist entscheidend, auch wenn der ländliche Raum ein dynamisches Gebilde ist, zeichnet er sich verglichen mit der (Groß-)Stadt durch strukturell geringere Wahlmöglichkeiten aus und beeinflusst so auch die anderen Lebenslagen. Gymnasien sind höchstens in den Mittelzentren verortet und das Freizeitangebot ist wenig ausdifferenziert. Es gibt im direkten Umfeld nur wenige Kinder und Jugendliche, was zu einer großen Altersspanne im Freundes- und Bekanntenkreis führt und somit Erfahrungen in gleichaltrigen Gruppen stark einschränkt. Das intergenerative Miteinander passt zum Selbstverständnis der Gemeinschaft, in der jede Interaktion einen strukturierenden Beziehungsaspekt enthält und kaum offen gelebte Vielfalt zulässt. Eine hohe Mobilitätbereitschaft von Jungen und männlichen Jugendlichen ist der Preis für eine höhere Schulbildung, alternative Freizeitgestaltung, Kontakte zu Peers und (nicht) heterosexuelle Beziehungen, da weibliche Jugendliche die Region häufig verlassen sobald sie volljährig sind (vgl. Scheibe 2014b). Die direkte Grenze zum Freistaat Bayern sorgt im Landkreis Sonneberg zwar für eine geringe Arbeitslosenquote, dennoch ist er weit von Großstädten entfernt und gehört somit eindeutig zum ländlichen Raum (vgl. Reifarth 2015, S. 108 f.).

3. Der Aktionskatalog

Die Idee des ‚Aktionskatalog Jungen LK-SON‘ wurde im Herbst 2011 von ‚Lichtblick – Zentrum für Jugendsozialarbeit‘ entwickelt und mit dem Träger, dem Diakoniewerk der Superintendenturen Sonneberg und Hildburghausen/Eisfeld e.V., sowie dem ansässigen Jugendamt abgestimmt. Im folgenden Jahr sollte jedes Quartal eine Broschüre über ausgewiesene Angebote für Jungen und männliche Jugendliche sowie thematische (Fort-)Bildungsveranstaltungen für Fachkräfte und Interessierte informieren. Auf diese Weise sollten die vorhandenen Möglichkeiten für die AdressatInnen sichtbar werden und ihre Bedarfe in den öffentlichen Fokus rücken, damit sie eine Chance haben, auf die (kommunal-)politische Agenda zu gelangen. Um die unterschiedlichen Zielgruppen zu erreichen, sollten die Broschüren sowohl gedruckt, als auch im .pdf-Format per E-Mail an relevante Personen und Einrichtungen verschickt und bei Facebook veröffentlicht werden.

In Folge eines kritischen Abwägungsprozesses wurden zunächst Kitas, Jugendhilfeeinrichtungen, evangelische Gemeinden mit einem Männergesprächskreis und Einrichtungen die aktiv am ‚Boys‘ Day‘ teilgenommen haben per E-Mail angefragt, ob sie (sozial-)pädagogische Angebote speziell für Jungen und männliche Jugendliche und/oder diesbezügliche Bildungsangebote planen. Wenn ja, wurden sie gebeten, die verantwortliche Person, die Zeit, den Ort und den Inhalt zu benennen. Die erste Ausgabe umfasste lediglich vier Seiten und es wurden nur zwanzig Exemplare gedruckt. Als Reaktion auf diese erhöhte sich die Zahl der gemeldeten Angebote so sehr, dass die zweite 16 Seiten umfasste. Durch die Unterstützung eines Bürgermeisters konnten ab diesem Zeitpunkt regelmäßig 50 Ausgaben gedruckt werden. Im Oktober 2012 umfasste der E-Mailverteiler knapp 300 Adressen und erreichte nahezu flächendeckend Kitas, Schulen, Jugendhilfeeinrichtungen, Beratungsstellen, Rathäuser, Sport- und andere Vereine im Landkreis.

Jungen wurden dadurch kaum erreicht, da die Veröffentlichungsform mit Facebook nur bedingt kompatibel war. Eine App wäre wahrscheinlich besser gewesen. Ebenso war das Projekt im Bereich der (Kommunal-)Politik wenig wirksam, da es scheinbar nicht genug öffentliche Aufmerksamkeit erzeugen konnte. Jedoch wurden die jungenpädagogisch aktiven und interessierten Fachkräfte in ihrer Arbeit wertgeschätzt und sie konnten erfahren, wer in ihrer näheren Umgebung noch an dem Thema arbeitet, somit war der ‚Aktionskatalog Jungen LK-SON‘ zumindest teilweise erfolgreich. Da die beiden offenen Ziele auch durch eine Verstetigung sehr wahrscheinlich nicht erreicht worden wären, wurde das Angebot 2013 nicht fortgesetzt und mit Blick auf die begrenzten Ressourcen für diese Anliegen sinnvollere Aktivitäten anvisiert (vgl. Scheibe 2014c).

4. Der Fachtag

Der Landkreis Sonneberg wurde als Pilotregion des vom BMI initiierten Bundesprogrammes ‚Zusammenhalt durch Teilhabe‘ ausgewählt, weil hier durch jungenpädagogische Angebote der ländliche Raum belebt wurde. ‚Machos, Memmen, Möchtegerns‘ war die Auftaktveranstaltung und der erste thematische Fachtag in Südthüringen. Er wurde gemeinsam von ‚Lichtblick – Zentrum für Jugendsozialarbeit‘ und der Evangelischen Akademie Thüringen organisiert. So sollten regionale Fachkräfte und Ehrenamtliche aus den Bereichen (verbandliche) Jugendarbeit, Schule, Kita und Verwaltung die mit Jungen arbeiten, gefunden werden, um sie dann thematisch zu bilden und miteinander zu vernetzen. Die vielfältige Ansprache (persönlich, klassisch, digital) führte zu knapp 60 teilnehmenden Personen, die zunächst gebeten wurden einen Button mit ihrem Namen anzustecken, dessen farbliche Gestaltung die Zuordnung zu einem der Workshops ermöglichte. Zusätzlich sollten sie noch einen Steckbrief in gleicher Farbe auszufüllen und an eine Moderationswand heften. Hierbei wurde nach Name, Geburtsjahr, derzeitiger Tätigkeit, Träger, Arbeitsort, Erfahrungen in der Arbeit mit Jungen und einem inspirierenden Mann gefragt.

An die Begrüßung anschließend verdeutlichte der einführende Vortrag anschaulich die Lebenslagen, in denen sich Jungen befinden und wie sich diese auf ihr Verhalten auswirken. Er verdeutlichte wie wichtig es ist, die Jungen in ihrer Performanz von Männlichkeit ernst zu nehmen und diese nicht alternativlos abzuwerten. Die Präsentation endete mit einem Plädoyer dafür, den Defizitblick auf Jungen abzulegen. Diese Erkenntnisse wurden am Nachmittag in den fünf geschlechts-, organisations- bzw. themenspezifischen Workshops praxisnah vertieft. Abschließend wurde der ‚Aktionskatalog Jungen LK-SON‘ vorgestellt und geplante Veranstaltungen beworben.

Die gesetzten Ziele konnten nicht vollständig erfüllt werden, so wurden männliche und weibliche Fachkräfte gut, aber Ehrenamtliche nur bedingt erreicht. Die hohe Zahl teilnehmender Personen ist dennoch positiv zu bewerten. Zudem empfanden diese den Vortrag und die Workshops sehr informativ. Eine Tagesveranstaltung mit Bildungsauftrag lässt den Anwesenden dennoch zu wenig Zeit sich zu vernetzen, ungeachtet animierenden Methoden (vgl. Scheibe 2014a).

5. Die Ausstellung

Der ‚Aktionskatalog Jungen LK-SON‘ offenbarte eine enorme Zahl an Angeboten die sich speziell an Jungen richteten, förderte den Austausch der Fachkräfte und stiftete somit zugleich Ideen für weitere. Während sowohl die Quantität als auch die Qualität zunahmen, wies die Rücksprache mit den jeweiligen Verantwortlichen jedoch auf deren prekäre finanzielle Situation hin. Die Fortführung der jeweiligen Angebote schien teilweise unwahrscheinlich, ein Ausbau gar undenkbar und das trotz hohen Niveaus und guter Nachfrage (immerhin wurden über 200 Jungen durch die Projekte erreicht).

Dies sollte die Wanderausstellung ‚Machos, Memmen, Möchtegerns – Einblicke in die reflektierte Arbeit mit Jungen im Landkreis Sonneberg‘ ändern, indem sie diese Vielfalt dokumentiert, somit das Thema öffentlichkeitswirksam präsentiert und dadurch Gelder aus der Politik und der Wirtschaft für diese Projekte akquiriert. Das Vorhaben wurde von ‚Lichtblick‘ initiiert und aus Mitteln des Landkreises sowie des bereits erwähnten BMI-Programmes finanziert. Es erhielt im Vorfeld einen großen fachlichen Zuspruch, wurde aber auch von verschiedenen Seiten kritisiert. Die dort geäußerten Vorbehalte konnten jedoch in Gesprächen ausgeräumt werden.

Die Schautafeln wurden im Landratsamt Sonneberg erstmalig der Öffentlichkeit gezeigt und programmatisch gerahmt. Es tanzten zunächst die Jungen eines lokalen Jugendzentrums, anschließend betonten die Vorträge aus Politik, Wissenschaft und Praxis unisono wie wichtig das Thema ist und dass die Ausstellung einen Meilenstein darstellt, der zum Weitergehen einlädt. Hierfür braucht es aber weiterhin professionelles, ehrenamtliches und finanzielles Engagement, ein wohlwollendes Umfeld und förderliche Strukturen (vgl. Scheibe 2013b).

6. Die Folgen

Die Bilanz der kombinierten Aktivitäten und ihrer sozialräumlichen Verortung ist durchaus positiv, so erfreuten sich alle Angebote für Jungen einer regen Nachfrage. Es wurde mit über 200 Fachkräften (Jugendarbeit, Schule, Kita, Verwaltung) und Ehrenamtlichen zum Thema Jungen(-pädagogik) gearbeitet. Personen, die an mehreren Angeboten teilnahmen, vernetzten sich auf den Veranstaltungen. Im Bereich KiTa wurden Ideen entwickelt, wie verstärkt Väter angesprochen werden können und es entstand zeitweise ein Arbeitskreis aus männlichen Erziehern. Es konnten Honorarkräfte für eine Jungengruppe durch Banken und Firmen finanziert werden und bei ‚Lichtblick‘ wurde im Herbst 2013 ein Stellenkontingent für Jungenpädagogik eingerichtet (vgl. Scheibe 2014a, S. 38 f.). Zudem wurde auf der Jahresversammlung der regionalen Feuerwehr über die Lebenslagen von Jungen informiert, dies in persönlichen Gesprächen vertieft und zu der Weiterbildungsveranstaltung für Ehrenamtliche eingeladen (Reifarth 2015, S. 122 f.).

Obwohl kein Feuerwehrmann zu der Veranstaltung kam, der Arbeitskreis ‚Männer in Kitas‘ und die von finanzierte Jungengruppe nicht mehr existieren, so ist Jungenpädagogik dennoch weiterhin ein gesellschaftliches, politisches sowie pädagogisches Thema im Landkreis Sonneberg und viele Fachkräfte sind für die besonderen Lebenslagen von Jungen sensibilisiert, wodurch sie dem strukturellen Auftrag des SGB VIII besser gerecht werden können.

7. Fazit

Jungen finden sich im Alltag besser zurecht, wenn sie über ein Verhaltensrepertoire verfügen aus dem sie das für sich angemessene auswählen können. Die Aufgabe der Jungenpädagogik ist hierbei ihnen einerseits, durch direkte individuelle und gruppenbezogene Interaktion alternative männliche Handlungsmuster aufzuzeigen, aber auch die sozialräumlichen und strukturellen Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sie diese Möglichkeit sanktionsfrei leben können. Selbst wenn Jungen von den dargestellten Angeboten kaum unmittelbar profitieren, haben die Beispiele doch sehr eindrücklich gezeigt, wie die sozialräumliche Infrastruktur jungenfreundlicher (weiter-)entwickelt werden kann und so andere Akteursgruppen (weitere Kinder- und Jugendhilfe, Bildung, Politik, Wirtschaft) für das Thema sensibilisiert und aktiviert werden können.

Es ist somit festzuhalten, dass es machbar ist, die Situation vor Ort dauerhaft in einem hohen Maße jungenfreundlich zu gestalten, aber wenn dies nachhaltig realisiert werden soll, bedarf es nicht nur eines starken Inputs sondern darüber hinaus eines kontinuierlichen Engagements der AkteurInnen im Sozialraum. So kann vermieden werden, dass die Bedarfe der Jungen aufgrund neuer gesellschaftlicher Herausforderungen sukzessiv in den Hintergrund geraten.

Literatur

Anders, Nils (2014): Meine Initiation in die Jungenarbeit. Ein Erfahrungsbericht zu den ‚Itzgruender Jungentagen‘. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 206, Sommer 2014, 12-16.

Boller, Katrin (2012): Way Out – mission possible. Selbsterfahrung für Jungen in der Wildnis. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 198, Frühjahr 2012, 24 ff.

Früchtel, Frank/Budde, Wolfgang/Cyprian, Gudrun (2013): Sozialer Raum und Soziale Arbeit. Fieldbook: Methoden und Techniken, 3. Auflage. Springer VS: Wiesbaden.

Meuser, Michael (2011): Männlichkeit. In: Ehlert, Gudrun/Funk, Heide/Stecklina, Gerd (Hrsg.): Wörterbuch Soziale Arbeit und Geschlecht. Weinheim/München: Juventa, 277-280.

Reifarth, Jürgen (2015): Thematische Zugänge erproben: Historisch-politische Bildung und geschlechtsspezifische Jugendbildung – das Teilprojekt der Evangelischen Akademie Thüringen. In: Holz, Klaus (Hrsg.): Intergenerative Zusammenarbeit. Vorgehen – Erfahrungen – Ergebnisse. Schwalbach/Ts.: Wochenschauverlag, 103-138.

Reifarth, Jürgen/Scheibe, Matthias (Hrsg.) (2014): Mentor gesucht! Texte zur Jungenarbeit für Männer und Frauen. Unter: http://jungenarbeit-thueringen.de/wp-content/uploads/2014/05/EAT-Bros_Vitalisierung-web.pdf, abgerufen am 31.01.2017.

Scheibe, Matthias (2010): „Survival Camp“ Steinach. Ein Beispiel für Jungenarbeit im ländlichen Raum? In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 192, Sommer 2010, 12 ff.

Scheibe, Matthias (2012): Hinten rum nach Indien. Rückblick auf zwei Jahre Jungenarbeit in Neuhaus am Rennweg und aktuelle Projekte im Landkreis Sonneberg. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 199, Sommer 2012, 9-13.

Scheibe, Matthias (2013a): „Machos, Memmen, Möchtegerns“. Eine Ausstellung mit Einblicke in die reflektierte Arbeit mit Jungen im Landkreis Sonneberg und regt zum Weiterdenken an. In: Landratsamt Sonneberg (Hrsg.): Der Landkreis Sonneberg 2012. Sonneberg: Trautmann Druck, Werbung und Verlag, 196-199.

Scheibe, Matthias (2013b): „Machos, Memmen, Möchtegerns“. Eine Ausstellung mit Einblicke in die reflektierte Arbeit mit Jungen im Landkreis Sonneberg. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 203, Sommer/Herbst 2013,  48 ff.

Scheibe, Matthias (2014a): Arbeit mit Jungen fernab der Metropolen. Erster Fachtag für Jungenarbeit und -pädagogik in Südthüringen: Vernetzung als praktische Option. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 207, Herbst/Winter 2014, 34-39.

Scheibe, Matthias (2014b): „Allein auf weiter Flur“. Jungen im ländlichen Raum. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 206, Sommer 2014, 8-11.

Scheibe, Matthias (2014c): Aktionskatalog Jungen LK-SON. Ein kritischer Rückblick auf ein Vernetzungsangebot für die Jungenarbeit im ländlichen Raum. In: Switchboard. Zeitschrift für Männer und Jungenarbeit, Nr. 205, Frühjahr 2014, 28-31.

Stuve, Olaf (2012): Homogenisierende Bilder von Jungen. Und warum sie dem pädagogischen Handeln im Weg stehen. In: Dissens e.V. u.a. (Hrsg.): Geschlechterreflektierte Arbeit mit Jungen an der Schule. Texte zu Pädagogik und Fortbildung rund um Jungen, Geschlecht und Bildung, Berlin: Hinkelstein Druck, 17-26.

Winter, Reinhard (2013): Jungenarbeit. In: Rauschenbach, Thomas/Borrmann, Stefan (Hrsg.): Arbeitsfelder der Kinder- und Jugendarbeit, Weinheim/Basel: Beltz Juventa, 52-77.


Zitiervorschlag

Matthias Scheibe (2018): Verhältnisse jungenförderlicher gestalten – Sozialraumorientierte Jungenpädagogik jenseits der Gruppenarbeit in einem Thüringer Landkreis. In: sozialraum.de (10) Ausgabe 1/2018. URL: https://www.sozialraum.de/verhaeltnisse-jungenfoerderlicher-gestalten.php, Datum des Zugriffs: 21.10.2018

Druckersymbol

Praxis