Youth in Urban Space – eine zweijährige internationale Projektpartnerschaft

Werner Prinzjakowitsch, Manfred Zentner

Der vorliegende Beitrag über das internationale Praxisforschungsprojekt „Youth in Urban Space“ fokussiert auf die im Projekt angewandten Methoden, welche im Hauptteil ausführlich beschrieben werden. Zu Beginn werden Projektidee und Projekt erläutert, am Ende werden die internationalen Empfehlungen präsentiert. Detailergebnisse zum Projekt, Daten und vor allem stadtspezifische Resultate können aus den verlinkten Projektbroschüren entnommen werden.

Der Träger des Projekts, der Verein Wiener Jugendzentren, ist mit 300 Mitarbeiter:innen an rund 40 Standorten in Wien der größte Träger offener Jugendarbeit in Österreich. Die Angebotspalette umfasst Jugendzentren, Mobile Jugendarbeit und einige Sondereinrichtungen. Sozialraumorientierung ist seit gut 30 Jahren eines der leitenden Handlungsprinzipien und alle Einrichtungen sind durch herausreichende oder mobile Jugendarbeit auch im öffentlichen Raum präsent.

1. Wie das Projekt entstand

In den Jahren vor der Pandemie beobachteten Jugendarbeiter:innen eine Veränderung in der Nutzung des öffentlichen Raums durch junge Menschen. Während der Kontakt zu jungen Männern abnahm, lieferte die Demografie Hinweise darauf, dass die Zahl der Jungen/Männer in diesem Alter stabil war und sogar leicht zunahm. Gleichzeitig hatte der Kontakt mit Frauen an öffentlichen Orten zugenommen. Informeller Austausch mit Kolleg:innen und Forscher:innen bezüglich der Nutzung des öffentlichen Raums bestätigte teilweise, dass diese Beobachtungen in vielen Gebieten mehrerer Städte in Europa ein Phänomen gewesen waren. Einige Thesen und Theorien kamen als Grund für die Entwicklung auf, keine davon war untersucht worden:

Ein starker sicherheitsorientierter Fokus mit mehr CCTV-Überwachung würde Mädchen/Frauen dabei unterstützen, den öffentlichen Raum zu nutzen und Jungen/Männer andererseits abschrecken. Veränderungen im Freizeitverhalten junger Männer und allgemein die zunehmende Rolle der sozialen Medien schienen offensichtlich ebenfalls eine Rolle zu spielen. Auch neue Bildungsprogramme und Entwicklungen am Arbeitsmarkt hatten Einfluss. Wie urbaner öffentlicher Raum geplant und verbaut wird, könnte sich geändert haben.

So kam die Idee auf, ein Forschungsprojekt auf der Grundlage einer strategischen Partnerschaft innerhalb des europäischen Förderprogramms Erasmus + durchzuführen. Mitten in die Planung trat Covid19 ein und wurde in diesem Kontext zum bedingten Game-Changer. Klar war, das Thema Corona musste einbezogen werden, klar war auch, die Planungen gehen weiter. So wurde eine Partnerschaft von 4 Städten (Helsinki, Mailand, Stuttgart, Wien) aufgebaut, in denen das Thema „Jugend im Urbanen öffentlichen Raum“ für verantwortliche Personen von Bedeutung ist. Jede Stadt hatte ihre eigenen Unterthemen, aber allgemeine Entwicklungen wurden gleichermaßen beobachtet. Jede Stadt musste die Corona-Krise bewältigen. Wissenschaftliche Partnerin wurde letztendlich die Universität für Weiterbildung in Krems.

Die Partnerorganisationen sind in hohem Maße (oder sogar vollständig) für die Offene Jugendarbeit in ihren Städten verantwortlich. Sie sind sowohl in Zusammenarbeit mit der jeweiligen Gemeinde an der strategischen Planung als auch operativ an der Jugendarbeit beteiligt. Insgesamt sind sie für fast 2.000 professionelle Jugendarbeiter:innen verantwortlich.

Die Schlüsselfragen für das Projekt waren:

Die Projektlaufzeit war Februar 2021 bis März 2023. Der Beginn litt noch etwas unter den durch Corona bedingten Beschränkungen, aber letztendlich konnten alle Aktivitäten erfolgreich abgewickelt werden.

Die durchgeführten Erhebungen haben eine beeindruckende Datenbasis. 2.199 Jugendliche wurden befragt, 79 Jugendliche nahmen an 16 Fokusgruppengesprächen teil. Ebenso beeindruckend sind die Zahlen bei den Fachkräften. 394 Befragte waren es in der quantitativen Erhebung und es gab vier Fokusgruppengespräche mit insgesamt 30 Teilnehmer:innen. Im Fachkräfteaustausch waren 24 Personen, die in diesem Kontext über 60 Beobachtungsprotokolle anfertigten. Insgesamt waren über 40 Fachkräfte zwei Jahre hindurch aktiv am Projekt beteiligt.

Neben den vorliegenden fünf Broschüren mit den Projektergebnissen (eine generelle und je eine für jede Stadt) wurden auch neun Videos angefertigt, welche das Projekt und seine Ergebnisse darstellen. Insbesondere bei diesen Videoproduktionen waren Jugendliche aktiv beteiligt. Jede Stadt produzierte zwei Videos: Öffentlicher Raum aus Sicht der Jugendlichen und aus Sicht der Jugendarbeiter:innen. Das neunte Video ist eine kurze Dokumentation des Projekts. Alle neun Videos sind über YouTube abrufbar (Links dazu am Ende von Abschnitt 4.).

2. Partizipativer Forschungsansatz

Die Datengewinnung im Rahmen des Projekts war von Beginn an als partizipative Aktionsforschung geplant, die es den beteiligten Personen ermöglicht, nicht nur passive Forschungsobjekte zu sein, sondern aktiv an der Gestaltung der Forschung, der Ausformulierung der Forschungsfragen und schließlich der Datenerhebung und der Interpretation beteiligt zu sein.

Partizipative Aktionsforschung (PAR für Participatory Action Research) beruht auf einer transdisziplinären Forschungsethik, die eine Gleichberechtigung zwischen Wissenschaftler:innen und Vertreter:innen der Zivilgesellschaft propagiert und als Basis setzt (vgl. von Unger 2014; Kemmis et al. 2016; Chevalier/Buckles 2019; Friedman 2020). Dabei steht die Anwendungsorientierung jeder Forschung im Zentrum und die Expertise der beteiligten Praktiker:innen ist ebenso hoch einzuschätzen wie die wissenschaftliche Methodenstrenge der Forscher:innen. Sowohl die Forschungsfrage als auch die Methoden werden in einem gemeinsamen Prozess der Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen bestimmt. Die Rolle der professionellen Forscher:innen besteht vorrangig darin, auf die Einhaltung der wissenschaftlichen Grundsätze – Objektivität, Nachvollziehbarkeit, Reliabilität der Methoden, Datensicherheit, Forschungsethische Grundsätze etc. – zu achten. Jene der Praktiker:innen liegt in der Beschreibung der Situation und der Herausforderungen für die Praxis sowie eine starke Einbindung in die Datengenerierung.

In dieses Projekt war die Praxis durch Vertreter:innen der Jugendarbeit und Jugend(arbeits)politik jeweils auf kommunaler Ebene und die Forschung durch einen Jugendforscher eingebunden. Die Expert:innen der Jugendarbeit und Jugend(arbeits)politik definierten das Thema: Änderungen der Nutzung des öffentlichen Raums und die Auswirkungen auf die Jugendarbeit.

Ziel des Projekts war die Ist-Situation der Nutzung Urbaner öffentlicher Räume darzustellen und darauf basierend Empfehlungen für die Jugendarbeit und die Jugend(arbeits)politik zu erarbeiten. Somit sollte evidenzbasierte Jugendarbeit und Jugendpolitik befördert werden. In der Planung dieses Unternehmens wurde aber deutlich, dass für eine Adaptierung bestehender Praktiken in Jugendarbeit und Politik ein Aufzeigen der Änderungen hilfreich (wenn nicht gar notwendig) wäre.

In mehreren Planungstreffen, die online durchgeführt wurden, diskutierten die Projektpartner:innen über die wesentlichen Entwicklungen, die Einfluss auf die Nutzung des öffentlichen Raums hatten und wie diese in einem gemeinsamen Projekt zu erfassen wären. Neben der offensichtlichen rezenten Einflussgröße – Pandemie und die damit verbundenen Einschnitte in die Nutzungsmöglichkeiten des öffentlichen Raums und sämtlicher urbaner Infrastruktur – wurde auf andere relevante Entwicklungen hingewiesen. Dies waren Einschnitte in die Bildungslandschaft, Maßnahmen der Stadtplanung, Großereignisse, Veränderungen der politischen Machtverhältnisse, Gentrifizierung, Digitalisierung, demographische Veränderungen, Migration, Binnenwanderung und mehr.

Um die verschiedenen Entwicklungen darzustellen und ihre Auswirkungen abschätzen zu können, wurde von den beteiligten Jugendarbeitsexpert:innen gemeinsam mit dem Forscher eine Reihe von Untersuchungsschritten und Methoden festgelegt:

A.)    Analyse von Sekundärdaten

  1. Auswertung statistischer Daten zur Bevölkerungsentwicklung
  2. Historische Aufarbeitung der städtepolitischen und jugendrelevanten Entwicklungen
  3. Darstellung Entwicklung der Jugendarbeit in der Stadt

B.)    Wahrnehmung der Jugendarbeiter:innen

  1. Quantitative und
  2. Qualitative Datenerhebung unter Jugendarbeiter:innen zu deren Wahrnehmung Jugendlicher im öffentlichen Raum

C.)    Situation der Jugendlichen

  1. Quantitative und
  2. Qualitative Datenerhebung zum Freizeitverhalten und Mobilität Jugendlicher, sowie zur Bedeutung des Urbanen Raums

3. Untersuchungsdesign

Somit wurden folgende Untersuchungsschritte festgelegt:

UntersuchungsthemaMethodeAkteur:innen der Datenerhebung
Lebenssituation Jugendlicher in den Städten Sekundäranalyse statistischer Daten Projektmanagement
Entwicklungen im öffentlichen Raum Zeitgeschichtliche Aufarbeitung & qualitative Methoden Projektmanagement & Jugendarbeiter:innen
Darstellung Jugendarbeit Deskresearch Projektmanagement
Wahrnehmung der Jugendarbeit Online Survey Forschung & Jugendarbeiter:innen
Wahrnehmung der Jugendarbeit Gruppendiskussionen Jugendarbeiter:innen
Wahrnehmung der Jugendarbeit Beobachtungen Jugendarbeiter:innen
Situation der Jugendlichen Online Survey Forschung & Jugendarbeiter:innen
Situation der Jugendlichen Gruppendiskussionen und Interviews Jugendarbeiter:innen

Der erste Projektschritt war der Erfassung und Analyse der bestehenden Daten und Fakten auf Ebene der einzelnen Städte gewidmet. Dabei haben die einzelnen Projektpartner:innen verschiedene Methoden angewandt, vor allem bei der Darstellung der einschneidenden Ereignisse, die auf die Nutzung des öffentlichen Raums Einfluss hatten. Beispielsweise wurde in Wien eine Arbeitsgruppe mit Jugendarbeiter:innen und Jugendarbeitsmanager:innen gebildet, die in zwei Workshops Zeitleisten erstellten mit jenen Ereignissen, die zu massiven Änderungen für Jugendliche führten. Ebenso waren in Stuttgart große Teile des Projektteams eingebunden. In Mailand wurde einiges an Analyse an die Universität ausgelagert, in Helsinki waren vor allem die Projektmanager:innen eingebunden.

Für die Primärdatenerhebungen wurde eine Forschungsarbeitsgruppe mit zwei bis vier Jugendarbeiter:innen jeder Stadt etabliert, die gemeinsam die Fragen für die quantitativen und qualitativen Forschungsschritte entwickelte. Um die Jugendarbeiter:innen für ihre Tätigkeit als aktiv Forschende zu befähigen, wurde ein Training in sozialwissenschaftlichen Methoden durchgeführt, außerdem wurde eine Online-Plattform zur Peer-Unterstützung eingerichtet und laufend Feedbackrunden mit den aktiven Jugendarbeiter:innen abgehalten. Zusätzliche Unterstützungstermine wurden vom beteiligten Jugendforscher für jede Stadt individuell angeboten.

Zunächst wurden aus jeder Stadt mindestens zwei Jugendarbeiter:innen in die Forschungsarbeitsgruppe nominiert. Die Auswahl der Teilnehmer:innen an der Arbeitsgruppe oblag den Projektpartner:innen, wobei sozialwissenschaftliche Vorkenntnisse als Vorteil gesehen wurden. Die Aufgaben der Gruppe wurden von der Projektmanagementgruppe folgendermaßen definiert: Entwicklung der Untersuchungsmethoden inklusive der Leitfäden für die qualitativen Datenerhebungsschritte sowie einer Strategie zur quantitativen Datenerhebung, Mitarbeit bei der Erstellung der Fragebögen für die Surveys sowie deren Übersetzung, und die Aktivierung und Unterstützung der lokalen Mitarbeiter:innen aus dem Jugendarbeitssektor.

In einem mehrtägigen Seminar wurden die Jugendarbeiter:innen zunächst in Methoden der Sozialforschung eingeführt. Anschließend wurden die einzelnen Erhebungsschritte gemeinsam abgestimmt. Man entwickelte unter anderem die Herangehensweise, wie die Jugendlichen und die Jugendarbeitskolleg:innen für die qualitativen Untersuchungen gewonnen werden sollten. Hier wurden klassische Gruppendiskussionen in Jugendzentren ebenso genannt wie kreative Ansätze wie ein „Dinner of words“, zu dem Jugendliche eingeladen werden, um niederschwellig über deren Ansichten zu plaudern.

Letztlich wurden in dem Trainingsseminar die wesentlichen Themen für die Erhebung unter den Jugendlichen folgendermaßen definiert: i) Aktuelles und geändertes Freizeitverhalten, ii) Mobilität im urbanen Raum, iii) Auswahl von öffentlichen Orten iv) Begründung der Auswahl und Nichtwahl öffentlicher Orte, v) Änderung vor und nach den COVID 19 Einschränkungen.

Für die Erhebung unter Jugendarbeiter:innen wurde neben der Feststellung und Beschreibung ihres Arbeitsumfelds nach ihrer Wahrnehmung von i) Jugendlichen im öffentlichen Raum, ii) sowie deren (Nutzungs-)verhalten, speziell iii) deviantes Verhalten und nach iv) wahrgenommenen Änderungen gefragt.

Weiters wurde für die Beobachtungen im öffentlichen Raum ein Leitfaden erstellt, in dem neben der Ortsbeschreibung auf die Charakteristik der Nutzer:innengruppen sowie deren Verhalten wertgelegt wurde. Die Beobachtungen, die von Jugendarbeiter:innen im Rahmen ihrer Aufenthalte in einer der Partnerstädte durchgeführt wurden, hatten das Ziel, Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den vier Städten herauszuarbeiten. Der fremde Blick ermöglicht Dinge wahrzunehmen, die den Einheimischen nicht mehr offensichtlich sind, ebenso führt die Erfahrung in einem anderen Setting zu einer gesteigerten Aufmerksamkeit im eigenen Arbeitsumfeld.

Bei diesen Beobachtungen sollten verschiedene – scheinbar objektive – Umweltfaktoren wie das Wetter erfasst werden, das sich aber keineswegs als objektive Größe darstellte, da eine subjektive und damit inter-individuell unterschiedliche Bewertung von Wärme/Kälte oder auch des Niederschlags sich in den Beobachtungsbögen deutlich zeigte. Daneben wurde aber nach Eigenschaften des Ortes – Verkehrsknotenpunkt, Park, Einkaufszentrum etc. – sowie nach vorhandener Infrastruktur – Sitzgelegenheiten, WLAN, Trinkbrunnen etc. – gefragt. Die eigentliche Aufgabe bestand darin, die Jugendlichen und ihr Verhalten an dem Ort sowie etwaige Interaktionen mit anderen Personen dort zu beobachten. Diese Beobachtungen wurden festgehalten und in einem späteren gemeinsamen Workshop mit allen beobachtenden Jugendarbeiter:innen verglichen und interpretiert.

4. Zentrale Ergebnisse

Insgesamt wurden im Zeitraum von Dezember 2021 bis April 2022 mehr als 2.280 Jugendliche mit dem Online-Fragebogen erreicht, wobei betont werden muss, dass die Befragung nicht als Repräsentativerhebung geplant war. Die unterschiedliche Stichprobengröße und -zusammensetzung in den vier Städten ergibt sich aus den verschiedenen Methoden, mit denen Jugendliche zu der Online-Umfrage eingeladen wurden. Während in Mailand und Wien Jugendliche in Jugendzentren (in Wien und im öffentlichen Raum) befragt wurden, waren in Helsinki vor allem die mobilen Jugendarbeiter:innen bei der Einladung zu der Befragung aktiv. In Stuttgart wurde der Zugangscode auch über Flaschenetiketten den Jugendlichen zugänglich gemacht. Außerdem wurden fast 400 Jugendarbeiter:innen in den vier Städten mit der Online-Umfrage erreicht. Zusätzlich wurden 16 Gruppendiskussionen mit Jugendlichen und vier mit Jugendarbeiter:innen durchgeführt. An mehr als 60 Orten wurden von 24 Jugendarbeiter:innen in für sie fremden Städten Beobachtungen durchgeführt.

Die Analyse der Daten (für ausführliche Ergebnisse vgl. allgemeine Broschüre mit den Ergebnissen unter: https://www.jugendzentren.at/media/223922/yus-englisch.pdf) zeigte höchst unterschiedliche demographische Situationen aber auch innerhalb der Städte zeigten sich große Unterschiede in der Verteilung Jugendlicher in den verschiedenen Stadtteilen. Die „jüngste“ Stadt ist Wien mit einem Prozentsatz von 25,7% Einwohner:innen unter 25 Jahren, gefolgt von Stuttgart mit 25,6% und Helsinki mit 25%. Mailand ist mit einem Anteil von 21,3% die „älteste“ der vier Städte.

Bei den Entwicklungen, die Einfluss auf die Nutzung des urbanen Raums Jugendlicher hatten, wurde in allen Städten auf demographische Veränderungen hingewiesen. Ebenso sind Stadtplanungsmaßnahmen als relevante Ereignisse genannt worden – auch wenn diese in den Städten sehr unterschiedlich waren. So wurde in Mailand beispielsweise auf die Etablierung von Pop-Up-Fußgängerzonen hingewiesen, während in Wien die unterschiedlichen Stadterweiterungsprojekte genannt wurden. Der Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem von U- und S-Bahnen, wurde ebenfalls in allen Städten als wesentlicher Faktor herausgearbeitet. Für Wien, Stuttgart und Mailand wurden außerdem die verschiedenen Migrationswellen genannt, die zu einer Veränderung in der Zusammensetzung der Wohnbevölkerung geführt hat. Außerdem wurden Gentrifizierung und auch Digitalisierung als besonders bedeutende Entwicklungen für geändertes Nutzungsverhalten des urbanen Raums genannt.

Allerdings sind auch andere Ereignisse von Bedeutung: Änderungen in der Bildungspolitik führten zu weniger Freizeit, Rauchverbote in Lokalen zu einer kommerzialisierten Nutzung der Gehwege und damit zu einer Einschränkung der freien Flächen. Großereignisse, wie eine Fußball-EM, führen zur Erwartung, dass öffentliche Räume zu Partyflächen umgewandelt und zum sogenannten Public Viewing genutzt werden können. Letztlich führen auch Geschehnisse wie die Einführung eines sanktionierbaren Entsorgungssystems für Hundekot – das Wiener Gackerl-Sackerl – bei gleichzeitiger Etablierung von Hundezonen zu neuen Nutzungsmustern von innerstädtischen Grünflächen.

All diese Ereignisse wurden von den verschiedenen Projektteams zusammengetragen und hinsichtlich ihrer Wirkung auf das Verhalten Jugendlicher im öffentlichen Raum in Städten zur Diskussion gestellt. Dieser erste Untersuchungsschritt hat vor allem für jene Projektbeteiligten, die bereits seit mehreren Jahren in der Jugendarbeit tätig waren, eine Matrix der Reflexion der geänderten Rahmenbedingungen jugendarbeiterischen Handelns im öffentlichen Raum geboten.

Die quantitativen und qualitativen Analysen unter den Jugendarbeiter:innen der vier Städte brachte weitere spannende Informationen in Bezug auf die Nutzungsänderungen des öffentlichen Raums und damit ihrer Arbeitsanforderungen. So haben die Jugendarbeiter:innen über die letzten Jahre mehrere einschneidende Änderungen im urbanen Raum wahrgenommen. Einheitlich stark wurde die Zunahme von Mobilität in den Städten – vor allem durch den Ausbau von öffentlichem Nahverkehr und von Leih-E-Scootern – konzediert. Als Konsequenz für ihre Tätigkeit im öffentlichen Raum sehen die Jugendarbeiter:innen, dass Jugendliche nicht mehr nur einen Ort nutzen, sondern auch ihre Freizeit an unterschiedlichen Orten verbringen und daher auch immer wieder verschiedene Jugendliche an bestimmten Orten angetroffen werden.

Ebenso eindeutig besteht die Meinung, dass es zu einer stark gestiegenen Diversität in der Gesellschaft gekommen ist. Damit einher geht auch die Wahrnehmung, dass die Gruppen Jugendlicher, die man im öffentlichen Raum antrifft, ethnisch durchmischt und viel weniger homogen als in der Vergangenheit sind.

Eine Zunahme der Konflikte im öffentlichen Raum wird ebenfalls genannt, und es geben drei Viertel der Befragten an, dass sie Konflikte und Gewalt wahrnehmen. Allerdings wird diese in den qualitativen Untersuchungen als ein zwar auftretendes, aber untergeordnetes Phänomen gesehen, das meist auf dem Niveau von verbalen Injurien bleibt. Im Gegenteil wird auf eine medial aufgebauschte Skandalisierung einer Randerscheinung hingewiesen, die zu einem negativen Image der Jugend und speziell einiger ethnischen Gruppen führt.

Einig sind sich die Jugendarbeiter:innen der vier Städte auch darin, dass Covid-19 massive Auswirkungen auf die Jugendlichen und auch auf ihre Arbeit hatte. Genannt wird in erster Linie die Zunahme psychischer Probleme bei Jugendlichen. Eine Verschiebung der Angebote der Jugendarbeit in den Online-Bereich, eine Verstärkung individueller Beratung und kleinere Gruppen als Auswirkung der Covid 19-Maßnahmen wurden hinsichtlich der eigenen Arbeit genannt.

Demgegenüber geben die Jugendlichen in ihrer Befragung an, dass sie wenig Veränderung ihres Verhaltens vor und nach der Pandemie wahrgenommen hätten. Dies liegt aber vermutlich an dem natürlichen Entwicklungsprozess, in dem Jugendliche eben andere Interessen haben, als drei Jahre zuvor, und Änderungen ohnehin eingetreten wären. Sehr wohl geben die Jugendlichen aber an, dass sie nach der Pandemie gerne den öffentlichen Raum nutzen – wie viele andere Gruppen auch.

Darin sehen übrigens die Jugendarbeiter:innen eine der wichtigsten Auswirkungen der Pandemie: Die Nutzung des öffentlichen Raums ist insgesamt wichtiger als vor der Pandemie. Andere Gruppen, wie Familien, finden sich in Parks und auf öffentlichen Plätzen, was durchaus zu Verteilungskonflikten beitragen kann.

Weitere Ergebnisse der Jugendbefragung weisen auf die Bedeutung des realen Treffens von Freund:innen hin. Obwohl die Jugendlichen sehr stark das Internet nutzen, und natürlich auch auf social media aktiv sind, bleibt das Treffen IRL – in real life – wichtiger. Auffallend ist auch, dass sich die Mehrheit der Jugendlichen meistens in ihrem eigenen Wohnbezirk mit Freund:innen trifft. Dagegen treffen sie sich vergleichsweise selten bei sich selbst oder bei Freund:innen daheim mit ihrem Freundeskreis – und das obwohl die eigenen vier Wände und das Zuhause von Freund:innen die am häufigsten genutzten Orte der Freizeit sind.

Diagramm 1: Wo verbringst du sehr oft deine Freizeit?

Diagramm 1: Wo verbringst du sehr oft deine Freizeit?,
Angaben in Prozent, N=2.283, Helsinki n= 139, Stuttgart n= 767, Milano n=360, Wien n=1017

Die deutlichen Unterschiede beim Besuch von Jugendzentren ergeben sich aus den unterschiedlichen Samplingmethoden und der Distributionsansätze der Projektpartner:innen.

In den qualitativen Untersuchungen mit Jugendlichen wurde vor allem der Wert, der von ihnen in verschiedenen öffentlichen Räumen gesucht wird, analysiert. Hier zeigte sich einmal mehr, dass es für Jugendliche beim öffentlichen urbanen Raum um Treffpunkte mit anderen Jugendlichen geht. Hier steht nicht nur der eigene Freundeskreis im Fokus, sondern der öffentliche Raum dient auch dem Sehen und (Nicht-)Gesehen-Werden. Daher zeichnet die Fülle von Möglichkeiten aktiv und passiv zu sein, Sport zu treiben und gemütlich zusammenzusitzen sowie Rückzugsmöglichkeiten den idealen Raum aus. Hinsichtlich der Infrastruktur wünscht man sich Trinkbrunnen, saubere Toilettenanlagen, überdachte Sitzgelegenheiten und genügend Mülleimer.

Auffallend war bei den Gruppendiskussionen, dass weibliche Teilnehmer:innen sowie LGBTIQ+ Jugendliche über Sexismus und Belästigung geklagt haben. Das Gefühl von männlichen Personen – Jugendlichen aber auch Erwachsenen – angestarrt zu werden, wurde in allen Städten angeführt. Ein damit verbundenes Unsicherheitsgefühl führt durchaus zu einem bewussten Vermeiden von Orten, an denen dies auftritt. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass besonders stark frequentierte Orte so ein Unsicherheitsgefühl fördern. Ebenso wird dezidiert von LGBTIQ Jugendlichen darauf hingewiesen, dass sie sich oftmals unsicher fühlen, und sie daher lieber nicht alleine den öffentlichen Raum nutzen.

Die Beobachtungen wurden auf den Beobachtungsbögen festgehalten und in einem dreitägigen Workshop verglichen und ausgetauscht, wobei die einzelnen Projektpartner:innen aus den Rückmeldungen der besuchenden Jugendarbeiter:innen interessante Rückmeldungen erhielten, die neue Blickwinkel auf die eigenen Ansätze eröffneten. Aber auch die Erfahrungen der „eigenen“ Mitarbeiter:innen in anderen Städten halfen die eigene Planung zu optimieren.

In einem zusammenfassenden dreitägigen Workshop wurden alle Resultate zusammengebracht und in einer großen Runde gemeinsam interpretiert. Damit wurde der letzte Schritt der partizipativen Aktionsforschung erreicht, als Projektmanager:innen und Jugendarbeiter:innen gemeinsam mit einem Forscher die Ergebnisse der verschiedenen Erhebungsschritte – Sekundäranalyse, Jugendbefragungen, Erhebungen unter Jugendarbeiter:innen und Beobachtungen – rekapitulierten und gemeinsam die Erkenntnisse daraus ableiteten.

Wie bereits erwähnt entstanden letztendlich fünf Broschüren – in Englisch bzw. der jeweiligen Landesprache. Die generellen europäischen Schlussfolgerungen sind in allen fünf dargelegt, stadtspezifische Auswertungen, Interpretationen und Handlungsempfehlungen finden sich in der jeweiligen Stadtbroschüre. Für deutschsprachige Leser:innen sind natürlich die Stuttgarter und Wiener Ausgabe von besonderem Interesse.

Mehrere Videos – von und mit Jugendlichen erstellt – beschreiben das Projekt aus der Sicht der vier Städte:  https://www.youtube.com/@wienerjugendzentren

Die allgemeine Broschüre mit den Ergebnissen (Englisch): https://www.jugendzentren.at/media/223922/yus-englisch.pdf

Die stadtspezifischen Ergebnisse:

Wien (Deutsch): https://www.jugendzentren.at/media/223921/yus-wien.pdf

Stuttgart (Deutsch): https://www.jugendzentren.at/media/223923/yus-stuttgart.pdf

Helsinki (Finnisch): https://www.jugendzentren.at/media/224042/yus_helsinki.pdf

Mailand (Italienisch): https://www.jugendzentren.at/media/223924/yus-mailand.pdf

5. Länderübergreifend feststellbare Erkenntnisse

Natürlich gab es auch gemeinsame Trends, welche naturgemäß aufgrund der unterschiedlichen Strukturen der Städte in unterschiedlichen Größenordnungen zu beobachten waren. Folgende Entwicklungen konnten auf breiter Ebene im Grunde an allen Orten festgestellt werden:

6. Empfehlungen an Politik und Administration

Aus den umfangreichen Analysen wurde eine Reihe von generellen Empfehlungen an die Politik und Administration, insbesondere an die Stadtplanung, generiert:

Junge Menschen sind Nutzer:innen des öffentlichen Raums und brauchen Räume in ihren Wohngegenden sowie in der Innenstadt. Sie brauchen Orte der Begegnung, Orte des Rückzugs, Räume der Inszenierung und Orte, an denen sie sich willkommen fühlen. Sie brauchen auch Orte, an denen sie spontan etwas bewegen können. Freizeitaktivitäten ohne Konsumzwang haben einen hohen Stellenwert bei der Aneignung des öffentlichen Raums durch Jugendliche und wirken sich auf die Qualität urbaner Räume aus. Dies muss bei der Raumplanung berücksichtigt werden.

Eine angemessene soziale Mischung im öffentlichen Raum ist gesund. Ein Mangel an sozialer Kontrolle im öffentlichen Raum kann zu unerwünschten Konflikten führen, wobei „soziale Kontrolle“ nicht einfach „mehr Polizei“ bedeutet. Eine Alternative ist das Wiener Modell intensiver sozialpädagogischer und strukturierter Kinder- und Jugendangebote. Niederschwellige Freizeitaktivitäten im öffentlichen Raum können Schlüssel und Tor zum Lebensumfeld von Jugendlichen sein.

Die Vernetzung jugendrelevanter Akteur:innen und Institutionen ist unabdingbar. Jugendarbeit, Schule, Politik, Polizei und andere brauchen einen permanenten und strukturierten Austausch. Dies muss auf allen relevanten Ebenen geschehen, sowohl im lokalen Umfeld als auch in den städtischen Overheadbereichen. Vernetzung bedarf Augenhöhe aller Akteur:innen, gegenseitigen Respekt und Anerkennung – einschließlich der Anerkennung, dass die Beteiligten unterschiedliche Aufgaben, Regeln und Methoden haben.

Mobilität ist ein zentrales Thema. Der öffentliche Verkehr ist mit Abstand das wichtigste Fortbewegungsmittel für junge Menschen im urbanen Raum. Ein gutes Streckennetz, dichte Intervalle, lange Betriebszeiten und günstige Preise sind unerlässlich.

Insbesondere junge Frauen gaben in den qualitativen Interviews an, sich im öffentlichen Raum unsicher zu fühlen. Eine genderspezifische Stadtplanung alleine kann dieses Problem nicht lösen. Es handelt sich um eine allgemeine Genderfrage, die interdisziplinär angegangen werden muss. Die Offene Jugendarbeit kann in dieser Diskussion beraten und die Interessen junger Menschen vertreten.

„Ich will gesehen werden und ich will nicht gesehen werden“: Jugendliche haben oft eine ambivalente Einstellung zum öffentlichen Raum. Offene Räume können die subjektive Sicherheit erhöhen, können aber auch verunsichern, weil es auch Menschen gibt, von denen man nicht gesehen werden will. Das können Erwachsene (Angehörige) oder andere Jugendliche sein. Der „sichere Raum“ (Safe Space) kann sehr unterschiedlich definiert sein.

Offene Jugendarbeit kann eine aktive Rolle spielen, indem sie zwischen Stadtplanung und Jugendlichen vermittelt. Die konsequente Beteiligung junger Menschen kann dazu beitragen, dass sie den öffentlichen Raum nutzen und sich die jungen Menschen mit ihrer Stadt identifizieren.

Die Covid19-Pandemie hatte unbestritten Einfluss und Auswirkungen auf Jugendliche und den öffentlichen Raum. Das war nicht der Kern dieser Studie, nahm aber doch einen nicht unbedeutenden Teil in Anspruch. Hier fielen besonders spannende und für das Team überraschende Widersprüche auf.

Jugendliche waren, mehr als andere Gruppen, in ihrer Lebensstruktur (Schule, öffentlicher Raum) eingeschränkt und hatten weniger Alternativen. Zusätzlich erschwerend ist, dass „Socialising“ DIE Schlüsselaktivität in der Adoleszenz ist. Junge Menschen sind diesbezüglich auf Orte außerhalb von „zu Hause“ angewiesen, weshalb die Einschränkungen während des Lockdowns viel größere Auswirkungen auf sie hatten.

Während der Pandemie haben sich die meisten jungen Menschen an die Regeln gehalten, obwohl sie damit nicht zufrieden waren (z. B. Maskenpflicht) und dies auch deutlich gemacht haben.

Eine bemerkenswerte Diskrepanz gibt es in der Wahrnehmung, ob die Pandemie Auswirkungen hatte. Gab es in der Zeit während der Maßnahmen noch klare Einigkeit, wie stark diese sind – insbesondere was den öffentlichen Raum und das Tragen des Mundschutzes betrifft – so klafft das Bild nach Ende der meisten Maßnahmen auseinander. Die Jugendlichen sehen nämlich – anders als alle anderen – keine Folgen der Pandemie für sich. Das lässt sich aber aus den unterschiedlichen Zeitwahrnehmungen Heranwachsender und Erwachsener erklären. Für einen jetzt 15-Jährigen ist die Welt definitiv eine andere als vor drei Jahren – ob mit oder ohne Pandemie.

Letztendlich wurden auch Empfehlungen in Bezug auf die Offene Jugendarbeit erarbeitet. Offene Jugendarbeit versteht sich in diesem Kontext definitiv als Profession, als kommunale Dienstleistung, und in Abgrenzung zu verbandlicher, ehrenamtlicher Arbeit.

Der Freiraum in allen Städten wird generell immer wertvoller und die Nutzung öffentlichen Raums nimmt stetig zu. Jugendarbeit braucht kreative Ideen und muss adäquate Lösungen finden, um das Interesse junger Menschen an der Stadtentwicklung zu verteidigen.

Es braucht aufsuchende Freizeitangebote und erwachsene Ansprechpartner:innen in der Stadt, die jungen Menschen helfen, sich sicher zu fühlen und ihnen verschiedene Orte und Möglichkeiten zeigen. (Offene) Jugendarbeiter:innen „ermöglichen Jugend“, unterstützen Jugendinteressen im öffentlichen Raum und stellen eine Verknüpfung zu lokalen politischen Entscheidungsträger:innen her. So kann eine positive Aneignung öffentlichen Raums verbessert werden.

Die Innenstädte sind für junge Menschen wieder attraktiver geworden. Die Angebote der Offenen Jugendarbeit müssen sich, anders als im lokalen Lebensumfeld, durch temporäre Nutzungskonzepte anpassen.

Alle jugendspezifischen Angebote müssen sich an den Bedürfnissen der Jugendlichen orientieren und bedürfen Professionalität, Qualität und Stil. So sollte ein „Jugendcafé“ etwa aus Mobiliar, Elementen und Technik bestehen, die dem professionellen Café-Niveau entsprechen.

Darüber hinaus muss Offene Jugendarbeit selbst professionell und als Beruf anerkannt sein. Um dorthin zu gelangen (oder dies zu stärken), braucht es ein klares und argumentierbares Konzept, kontinuierliches Training und permanente und angemessene Evaluation sowie wissensbasierte und praktische Angebote.

Andererseits muss Offene Jugendarbeit dafür adäquat finanziert werden, die Ausstattung muss auf dem neuesten Stand der Technik sein, die Fachkräfte müssen entsprechend den Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen (Inhalte, Arbeitszeiten etc.), angemessen bezahlt werden. In diesem Bereich gab es signifikante Unterschiede bei den Städten.

Eine signifikante Wirkung kann nur langfristig erzielt werden. Kontinuität ist dafür ein Schlüsselfaktor, daher muss jede Finanzierung regelmäßig und langfristig erfolgen – institutioneller Ansatz schlägt Projektansatz.

Abschließend soll auch noch ein Resümee der Projektbeteiligten wieder gegeben werden. Sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene fanden Reflexionen des Projektes statt. Bemerkenswert fanden alle, dass es in der großen Gruppe (fast 40 Personen) über zwei Jahre lang in unsteter Zeit und in einer von vielen personellen Wechseln geprägten Branche kaum zu Veränderungen gekommen war.

Positiv hervorgehoben wurde insbesondere die in diesem Artikel beschriebene Vorgangsweise bzw. Struktur, nämlich die intensive und unmittelbare Einbeziehung der Praktiker:innen. Nicht nur, dass es neben dem Erkenntnisgewinn für das Projekt auch unzählige intensive individuelle Lernerfahrungen gegeben hat, diese können nun auch unmittelbar in die Praxis umgesetzt werden. Zudem garantiert die Intensität der Auseinandersetzung auch einen hohen Grad an Nachhaltigkeit.

Nicht zuletzt zeigen die ersten Ergebnispräsentationen auf lokaler Ebene zusätzlich, dass auch die übergeordneten Hierarchien in Verwaltung und Planung auf das Thema aufmerksam wurden. Diese spürbare Selbstwirksamkeitserfahrung für die Praktiker:innen gibt einerseits wieder neuen Schub und Motivation, und wird andererseits auch hoffentlich zu praktischen Verbesserungen führen.

Literatur

Chevalier, Jacques M./Buckles, Daniel J. (2019): Participatory Action Research, 2nd edition. London: Routledge.

Friedman, Bruce D. (2020): Community-based Participatory Action Research. Solana Beach: Cognella Academic Publishing.

Kemmis, Stephen/McTaggart, Robin/Nixon, Rhonda (2016): The Action Research Planner: Doing Critical Participatory Action Research. Singapore, Heidelberg: Springer.

von Unger, Hella (2014): Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer VS.


Zitiervorschlag

Prinzjakowitsch, Werner und Manfred Zentner (2023): Youth in Urban Space – eine zweijährige internationale Projektpartnerschaft. In: sozialraum.de (14) Ausgabe 1/2023. URL: https://www.sozialraum.de/youth-in-urban-space-eine-zweijaehrige-internationale-projektpartnerschaft.php, Datum des Zugriffs: 01.03.2024